«Ich bereue meine Abtreibung nicht», sagen viele Frauen. © BR

«Ich bereue meine Abtreibung nicht», sagen viele Frauen.

Abtreibung: Frauen bereuen nicht

fs / 26. Aug 2015 - Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen, bereuen den Entscheid auch später nicht. Der Zeitpunkt der Abtreibung spielt keine Rolle.

Das geht aus einer US-Studie hervor. Ein Forschungsteam der University of California hat dafür über 650 US-Amerikanerinnen während drei Jahren regelmässig befragt. Alle Befragten haben zwischen 2008 und 2010 an einer US-Klinik ihre Schwangerschaft beendet. Ausgewählt wurden Kliniken, wo auch späte Abtreibungen möglich sind. Die Ergebnisse hat das Online-Fachjournal PLOS One veröffentlicht.

«Erleichterung»

Über 95 Prozent der befragten Frauen beurteilten den Abbruch auch drei Jahre später als richtigen Entscheid, den sie nicht bedauern. Im Gegenteil: Sie sprachen von positiven Gefühlen bezüglich der Entscheidung, auch von «Erleichterung». Keinen Unterschied gab es zwischen Frauen, die den Abbruch frühzeitig machen liessen und Frauen, die eine Spätabtreibung hatten.

Stigmatisierung

Negativ beurteilten vor allem Frauen ihren Entscheid, die vor dem Abbruch unsicher waren. Sie führten ihre negativen Emotionen in erster Linie auf äussere Faktoren zurück. Dazu gehören hauptsächlich die gesellschaftliche Stigmatisierung des Schwangerschaftsabbruchs und fehlende Unterstützung des eigenen Umfeldes. Positive und negative Emotionen in Bezug auf die Abtreibung nahmen bei allen Befragten mit der Zeit ab.

Studie widerlegt Abtreibungsgegner

Die Studie widerlegt das gängige Argument von Abtreibungsgegnern, Frauen würden ihren Entscheid später bereuen. «Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass Behauptungen, laut denen viele Frauen ihre Abtreibungsentscheidung bedauern, wahrscheinlich unbegründet sind», schreibt das Forschungsteam. Das Ergebnis sei allerdings nicht repräsentativ. Vermutlich hätten eher diejenigen Frauen bei der Befragung mitgemacht, die sich mit ihrer Entscheidung wohl fühlten. Wer schwer unter dem Entscheid für eine Abtreibung leide, spreche wohl eher nicht darüber.

Pflichtberatung abschaffen

Das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft rechtzeitig zu beenden, haben Frauen in vielen Ländern nicht. Wenn sie eine Schwangerschaft abbrechen dürfen, ist der Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch oft mit Auflagen wie der Pflicht zur vorhergehenden Beratung verbunden. Das trifft auf Deutschland, die Schweiz und Österreich zu. Frauenrechtsaktivistinnen fordern seit langem, diese Pflichtberatung vor einem Schwangerschaftsabbruch abzuschaffen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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2 Meinungen

Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Eine Kollegin, die abgetrieben hat ist damit nicht klar geworden und wurde zur Alkoholikerin obschobn sie später noch Kinder hatte.
Ich habe viele Frauen weinen sehen über ihre abgetriebenen Kinder.
Beatrice van Altena, am 01. September 2015 um 11:34 Uhr
Das muss man genauer hinterfragen. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Frau eine eigene Entscheidung so sehr bereut, dass sie allein deshalb zur Alkoholikerin wird. Wenn eine Frau diese Entscheidung bereut, hat sie sie vermutlich nicht frei getroffen, sondern unter dem Druck von aussen. Wir treffen im Leben viele schwerwiegende Entscheidungen: Kinder zu bekommen, ein Haus zu kaufen, den Job zu kündigen, Trennung vom Partner, eine Operation. Warum sollte ausgerechnet die Abtreibung so folgenreich sein, wenn Frauen auch diese Entscheidung optimal informiert und neutral ohne Druck von aussen fällen können. Dazu gehört, dass Frauen von ihren tatsächlichen Erfahrungen berichten und ihnen diese nicht angedichtet werden.
Nicola Winzer, am 15. September 2015 um 16:09 Uhr

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