Anti-Abtreibungsbotschaften bekommen Frauen neu auch auf ihr Handy. © rewre

Anti-Abtreibungsbotschaften bekommen Frauen neu auch auf ihr Handy.

Abtreibungsgegner drangsalieren Frauen über das Handy

fs / 25. Aug 2016 - Abtreibungsgegner bedrängen Frauen im Wartezimmer, wenn sie Beratungseinrichtungen oder Kliniken aufsuchen.

In den USA lauern Abtreibungsgegner Frauen seit Jahren vor Abtreibungskliniken und Beratungsstellen auf. Nun nutzen sie die Technik des Geofencing, um Frauen in einer schwierigen Situation auch im Wartezimmer unter Druck zu setzen, berichtet das Online-Portal «Rewire».

Anti-Abtreibungsnachrichten auf dem Handy

Mit Geofencing können geografische Bereiche virtuell eingezäunt werden. Beispiel Beratungseinrichtungen: Wenn eine Frau, die ein Handy mit aktivierten Standortdiensten hat, einen virtuellen Zaun um eine Beratungseinrichtung überschreitet, löst sie ein Signal aus. Sie bekommt – noch bevor sie eine Beratungsperson sieht – automatisch Anti-Abtreibungsnachrichten auf ihr Handy zugeschickt. «Wir sind begeistert, diese Marketing-Möglichkeit Abtreibungsgegnern anbieten zu können», sagte John Flynn, Geschäftsführer der Bostoner Werbeagentur «Copley Advertising», anlässlich einer Präsentation seiner Geschäftsidee. «Copley Advertising» schickt im Auftrag von Abtreibungsgegnern Botschaften direkt auf die Handys der Frauen, die sich in einer Beratungseinrichtung oder Abtreibungsklinik aufhalten.

Standortinformationen weiterverkauft

Standortbasierte Werbung ist in der Werbung verbreitet. So lassen beispielsweise Unternehmen Gutscheine an Leute schicken, die sich in der Nähe des Geschäfts befinden. Die Erlaubnis, den Standort festzustellen, erteilen Handy-Besitzerinnen und -Besitzer beispielsweise direkt in den Einstellungen des Handys oder über Apps und Spiele. Solche Dienste können die Standortinformationen an Werbeagenturen verkaufen. Und diese können die Standortinformationen für einen ganz anderen Zweck nutzen und zum Beispiel für interessierte Auftraggeber feststellen, wer eine bestimmte Klinik aufsucht.

Legale Praxis

Mit Standortinformationen Frauen in einer schwierigen Situation zu bedrängen sei «unglaublich unethisch und unheimlich», sagte Marketing-Experte Brian Solis gegenüber «Rewire». Bisher ist es jedoch legal, Frauen auf diese Weise unter Druck zu setzen. So ist beispielsweise die evangelikale «Bethany Christian Services», eine der grössten Adoptionsagenturen in den USA, Kundin von «Copley Advertising». Die Werbeagentur hat nach eigenen Angaben für US-Abtreibungsgegner bisher über 800'000 Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in einer Klinik oder Beratungsstelle erreicht.

«Schwerer Eingriff in Privatsphäre»

Kritikerinnen werfen den Auftraggebern von «Copley Advertising» vor, mit Geofencing Frauen zu bedrängen und falsche Informationen über Abtreibungen zu verbreiten. Sie würden beispielsweise auf christlich-fundamentale Beratungsstellen verweisen, die Frauen von einer Abtreibung abraten. Für «Rewire» sind die Handy-Attacken der Abtreibungsgegner ein «schwerer Eingriff in die Privatsphäre» von Frauen in einer schwierigen Situation. Sie gefährden deren Sicherheit und diejenige der Beratungsstellen und Kliniken. «Rewire» rät Frauen, in den Einstellungen ihres Handys den Standortdienst auszuschalten und keine personalisierte Werbung zu erlauben. Grundsätzlich solle man auch bei Apps und Spielen keine Erlaubnis erteilen, den Standort festzustellen und einen Tracking-Schutz installieren, um Missbrauch vorzubeugen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Rewire» erklärt in einem Video, wie Geofencing funktioniert und wie man sich schützen kann (englisch).

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