Junge Italienerinnen fordern, dass das Recht der Frauen auf eine Abtreibung Vorrang hat. © ifq

Junge Italienerinnen fordern, dass das Recht der Frauen auf eine Abtreibung Vorrang hat.

Behörde sucht Ärztinnen und Ärzte für Abtreibungen

fs / 06. Mär 2017 - Eine Gesundheitsbehörde will das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch durchsetzen. Sie sucht deshalb jetzt gezielt Ärztinnen und Ärzte für Abtreibungen.

In Italien sucht die Gesundheitsbehörde von Rom in einem Stelleninserat ausdrücklich Frauenärztinnen und -ärzte, welche Abtreibungen nicht aus Gewissensgründen ablehnen. Es gehe darum, «Frauen das gesetzlich verankerte Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch» zu garantieren, sagte Nicola Zingaretti, Präsident der Provinz Rom, gegenüber «La Repubblica».

Mehrheit der Ärzte verweigert Abtreibungen

Die Ärztekammer, die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin und die katholische Kirche kritisieren, das Stelleninserat sei gesetzeswidrig und diskriminierend. Die Gewissensfreiheit einer Ärztin oder eines Arztes habe Vorrang vor dem Recht der Frauen auf eine Abtreibung.

In Italien ist seit fast 40 Jahren eine Fristenregelung in Kraft. Eine Klausel im Gesetz ermöglicht es jedoch Ärztinnen und Ärzten, Abtreibungen aus Gewissensgründen zu verweigern. Konservative und die katholische Kirche stellen die Fristenregelung seit Jahren in Frage und setzen Ärztinnen und Ärzten unter Druck, keine Abtreibungen durchzuführen. Laut Statistiken führen mittlerweile durchschnittlich sieben von zehn Frauenärztinnen und -ärzten keine Abtreibungen mehr durch. In einigen italienischen Regionen verweigern über 90 Prozent der Ärzte Abtreibungen.

Gewissensfreiheit hat Vorrang

In den meisten Ländern der EU können Ärztinnen und Ärzte Abtreibungen aus Gewissensgründen verweigern. Auch in Deutschland ist dies der Fall. Rechtlich unklar ist, ob ein Chefarzt seinen Angestellten verbieten darf, Abtreibungen vorzunehmen. Genau das hat kürzlich der neue Chefarzt Gynäkologie der Elbe-Jeetzel-Klinik in Danneberg (Niedersachsen) getan. Thomas Börner, der Mitglied einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde ist, begründete dies mit religiösen Gründen. Der «Tageszeitung» sagte er, die «jungen Damen könnten ja verhüten», wenn sie keine Kinder wollten. Die Klinik-Leitung in Danneberg stützte seinen Entscheid. Doch der Klinikkonzern Capio hob ihn auf. Börner werde die Klinik mittelfristig verlassen und bis dahin keine Abtreibungen mehr vornehmen müssen. Andere Ärztinnen und Ärzte würden dies übernehmen.

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