Leihmutterschaft darf nicht legalisiert werden, fordern Fachfrauen. © Av

Leihmutterschaft darf nicht legalisiert werden, fordern Fachfrauen.

Deshalb muss Leihmutterschaft verboten bleiben

fs / 23. Apr 2020 - Leihmutterschaft ist ein Geschäft auf Kosten von Frauen, das mit der Wahlfreiheit von Frauen nichts zu tun hat.

Damit begründet ein Netzwerk deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen, Publizistinnen und Journalistinnen seine Forderung, geltende Verbote von Leihmutterschaft und Eizellen-«Spenden» nicht aufzuweichen. Nur diese schützen Frauen vor Ausbeutung und medizinischen Eingriffen, von denen sie keinen Nutzen haben. Im Gegenteil: Die gesundheitlichen Risiken sind gross.

Geschäft basiert auf Wohlstandsgefälle

In der Stellungnahme heisst es:

  • Nur Frauen, die Geld brauchen, stellen ihren Körper für die risikoreichen Eingriffe Leihmutterschaft und Eizellen-«Spenden» zur Verfügung. «Das Wohlstandsgefälle zwischen Nord- und Südeuropa, zwischen West- und Osteuropa sowie zwischen dem globalen Norden und Süden, aber auch innerhalb der Gesellschaften bildet die Basis für kommerzielle Eizell’spende’ und ‘Leihmutterschaft’.»
  • Leihmutterschaft und Eizellen-«Spenden» sind medizinische Eingriffe, welche für die Betroffenen ohne gesundheitlichen Nutzen sind. Im Gegenteil: Die Risiken sind gross. Leihmütter verzichten zudem vertraglich auf das Kind und monatelang auf das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper. Darüber bestimmen während der Schwangerschaft Ärzte und Auftraggeber. Leihmutterschaft und Eizellen-«Spenden» seien «fremdnützige Eingriffe», die juristisch eine Körperverletzung sein können, schreiben die Fachfrauen: «Der Hinweis auf die Einwilligung bzw. informierte Zustimmung der betroffenen Frauen reicht hier nicht aus, denn der körperliche Eingriff dient nicht dazu, Leben zu retten oder Krankheiten zu heilen.»
  • Menschen mit Kinderwunsch haben nicht das Recht, dafür «auf die Körper Dritter» zuzugreifen, heisst es in der Stellungnahme. «Die Reproduktionsfreiheit von Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch – gleich welcher sexuellen Orientierung – findet dort ihre Grenze, wo Dritte geschädigt werden. Aus dem Begehren nach einem Kind kann kein Anspruchsrecht auf ein ‘eigenes’ Kind abgeleitet werden.»

Verdeckte Kommerzialisierung

  • «Uneigennützige», angeblich unbezahlte Leihmutterschaft oder Eizellen-«Spenden» verhindern die Kommerzialisierung nicht, wie die Praxis in anderen Ländern zeigt, schreiben die Fachfrauen. Oft fliesse doch Geld: «Ohne wirtschaftliche Anreize finden sich in der Praxis nur wenige Frauen, die zur Eizellabgabe bereit sind. Meistens gibt es deswegen verdeckte Formen der Kommerzialisierung. Ob sie als ‘finanzielle Anreize’ oder als ‘Aufwandsentschädigung’ bezeichnet werden, ist dabei unerheblich.» Hinzu kommt: In Ländern, wo bezahlte Leihmutterschaft und Eizellen-«Spenden» legal sind, ist die Bezahlung für Leihmütter und Eizellen-«Spenderinnen» im Verhältnis zu den Kosten für die Auftraggeber gering. Das grosse Geschäft machen die Fruchtbarkeitskliniken.
  • Eizellen sind ein rarer Rohstoff für die Forschung. Diese lobbyiert deshalb seit Jahren für die Legalisierung der Eizellen-«Spende», um Eizellen zu erhalten. «Diese Form von Fremdnützigkeit ist ethisch ebenso problematisch wie die kritisierte Aneignung von Körperstoffen Dritter zur Erfüllung persönlicher Wünsche unter Ausnutzung von sozialen, ökonomischen und geopolitischen Privilegien», heisst es in der Stellungnahme der Fachfrauen.

Legalisierung durch die Hintertüre

In Deutschland und in der Schweiz sind Eizellen-«Spenden» und Leihmutterschaft verboten. Der Druck, solche Verbote aufzuweichen, ist gross. So hat die deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) vorgeschlagen, Eizellen-«Spenden» zuzulassen und Leihmutterschaft durch die Hintertüre zu legalisieren: Der Staat soll Paare als Eltern eines Kindes anerkennen, die das Leihmutterschafts-Verbot umgehen und im Ausland eine Leihmutter engagieren.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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