Kylee Gilmann wurde unzureichend über die Risiken einer Eizellen-Spende informiert. © WTLV

Kylee Gilmann wurde unzureichend über die Risiken einer Eizellen-Spende informiert.

Eizellen-Spenderin akzeptiert Schweige-Geld

bbm / 19. Mai 2014 - Kylee Gilman hat Eizellen gespendet und darauf einen Schlaganfall erlitten. Ihre Klage gegen einen Arzt und eine Eizellen-Agentur endete mit einem Vergleich.

In der Klage hatte die heute 25-jährige US-Amerikanerin Schadenersatz von mindestens 75'000 US-Dollar (57'000 Euro, 68'000 Franken) verlangt. Wie viel sie nun vom kanadischen Arzt Edward Ryan und der US-Eizellen-Agentur «Giving Hope» dank des Vergleichs erhält, bleibt geheim.

Bezahlte Eizellen-Spende

Käufer der Eizellen war ein kanadisches Paar. Die Spenderin Kylee Gilman hat dafür 5500 Dollar (4200 Euro, 5000 Franken) erhalten. In Kanada ist es verboten, für Eizellen Geld zu verlangen. In den USA hingegen ist dies legal. «Giving Hope» sucht deshalb in den USA junge Frauen, die bereit sind, gegen Bezahlung Eizellen zu spenden. Solche Frauen vermittelt die Eizellen-Agentur an den kanadischen Arzt Edward Ryan.

Ryan gab Kylee Gilman Hormone, um die Eierstöcke zu stimulieren, damit möglichst viele Eizellen reifen. In Kanada entnahm ihr der Arzt 45 Eizellen, was als abnormal viel gilt. Obwohl sie sich schlecht fühlte und immer wieder übergeben musste, liess der Arzt sie am gleichen Tag allein in die USA zurück reisen. Ihr Freund holte sie in desolatem Zustand am Flughafen ab. Als sie nicht mehr richtig sprechen und gehen konnte, lieferte er sie in eine Klinik ein. Dort wurde ein Schlaganfall infolge einer Überstimulation der Eierstöcke diagnostiziert. An den Spätfolgen des Schlaganfalles leidet Kylee Gilman bis heute. Die Überstimulation der Eierstöcke steht zudem im Verdacht, Eierstock- und Gebärmutterkrebs zu fördern.

Unzureichende Information über Risiken

In ihrer Klage warf Kylee Gilman «Giving Hope» vor, sie unzureichend über die gesundheitlichen Risiken einer Eizellen-Spende aufgeklärt zu haben. Jennifer Lahl, Präsidentin des «Center for Bioethics and Culture Network», kritisiert die Geschäftemacherei auf dem Buckel von jungen Frauen, die in einer finanziellen Klemme stecken. Ärzte und Kliniken würden immer die Interessen der Kunden und nicht diejenigen der Spenderinnen vertreten. Gesundheitliche Risiken würden deshalb nur nebenbei erwähnt und heruntergespielt.

In der EU verbietet die Gewebe-Richtlinie bezahlte Eizellen-Spenden. Erlaubt ist es hingegen, gegen eine «Aufwandsentschädigung» Eizellen zu spenden.

In Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz ist die Eizellen-Spende grundsätzlich verboten. In der Schweiz ist ein Vorstoss im Parlament hängig, der die Eizellen-Spende legalisieren will. Es diskriminiere Frauen, wenn die Eizellen-Spende rechtlich nicht mit der Samen-Spende gleichgestellt sei, argumentiert der Initiant Jacques Neirynck (CVP). Kylee Gilmann hat schmerzlich erfahren, dass die gesundheitlichen Risiken nicht vergleichbar sind.

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