Prostitution ist «Seelenmord», sagt eine frühere Prostituierte. © stuttgart-sagt-stopp.de

Prostitution ist «Seelenmord», sagt eine frühere Prostituierte.

«Es gibt keine gute Prostitution»

fs / 25. Aug 2017 - Eine junge Deutsche war jahrelang in den Fängen eines Zuhälters. Jetzt will sie die Gesellschaft aufrütteln.

Der wesentlich ältere Mann hatte die damalige Gymnasiastin emotional abhängig gemacht und von ihrem Beziehungsnetz isoliert. Weil er es verlangte, prostituierte sie sich. Später brach sie das Gymnasium ab. Sie habe nicht wahrhaben wollen, in welche Spirale von Gewalt und Ausbeutung sie hinein gerutscht sei, schreibt sie unter dem Pseudonym Sandra Norak auf dem Blog «My Life in Prostitution».

«Es war Seelenmord»

In Deutschland ist Prostitution eine legale Erwerbsarbeit. Norak schreibt, sie habe wie andere Frauen nach aussen hin gesagt, dass Prostitution ein Job wie jeder andere sei, den sie freiwillig mache. Doch kaum eine Frau komme unversehrt aus der Prostitution: «Die Prostitution hat etwas in mir zerbrochen. Es war Seelenmord.» In kleinen Schritten gelang Norak der Ausstieg. Sie hatte dabei mit posttraumatischen Störungen zu kämpfen: «Sich von fremden Menschen tagtäglich penetrieren zu lassen, erfordert einen Schutzmechanismus des Gehirns, um dabei das Empfinden abschalten zu können. Diesen Mechanismus wurde ich lange Zeit nicht los. Ich hatte verlernt, im Augenblick zu bleiben.»

«Schlimme Verharmlosung»

Heute studiert Norak Jura. Nach Abschluss des Studiums will sie Frauen in der Prostitution helfen, die keine Stimme haben. Die meisten Prostituierten machten diesen Job aus einer Notlage heraus. «6 Jahre habe ich am eigenen Leib erlebt und von anderen Frauen in zahllosen erschütternden und verstörenden Gesprächen erfahren, was diese Art von Dienstleistung in einem Menschen auslöst. Was durch sie im Menschen zerstört wird. Nicht nur die Würde, sondern das Menschsein wird einem entzogen.» Prostitution als Erwerbsarbeit zu legalisieren sei eine «schlimme Verharmlosung» sagte Norak «Spiegel Online». Deutschland müsse aufhören, blind zu sein: «Es gibt keine gute Prostitution, auch wenn viele Frauen sich ihre Probleme nicht anmerken lassen.» Der Staat müsse Freier bestrafen und Prostituierten beim Ausstieg helfen.

«Stoppt Verherrlichung der Prostitution»

Das fordert auch die US-Amerikanerin Rebecca Bender. Sie hat letztes Jahr ihr Schweigen gebrochen und ihre Geschichte öffentlich gemacht. Sie wurde von einem Mann, der ihr Liebe und Sicherheit vorgaukelte, in die Prostitution gezwungen. Als Zwangsprostituierte wurde sie mehrmals verkauft, war im Spital und auch im Gefängnis. Doch niemand erkannte ihre Zwangslage. Die Flucht gelang ihr erst, als ihr letzter Zuhälter wegen Steuervergehen ins Gefängnis musste. Bender kritisierte die «Mythen über Prostitution». Was grundsätzlich schädlich sei, werde als frei gewählter Lebensstil verherrlicht und damit normalisiert.

Umstrittene Freiwiligkeit

Die Frage, ob es eine freiwillige Prostitution gibt und ob diese von Zwangsprostitution unterschieden werden kann, ist umstritten. Je nach Standpunkt wird der Staat aufgefordert, die freiwillige Prostitution zu legalisieren, oder das Milliardengeschäft konsequent zu unterbinden und Prostituierte beim Ausstieg zu unterstützen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Die Verharmlosung der Prostitution wird leider gefödert, wenn Prostituierte selbst sagen, es «mache ihnen Spaß» und sie täten es freiwillig. Die Psychologie weiß, dass die Verleugnung und Rationalisierung ein Mittel ist, um diese Tätigkeit überhaupt ausüben zu können. Auch der Drogenkonsum der Prostituierten spricht ja Bände.In Deutschland, das als «größter Puff Europas» gilt, wird nicht gesehen, dass Sex als Dienstleistung der Menschenwürde widerspricht, Menschenhandel Vorschub leistet und die «Legalisierung» der Prostitution ein bequemes Mittel ist um den status quo aufrecht zu erhalten.
Die Grundlage des «ältesten Gewerbes der Welt» , wie die Prostitution rechtfertigend genannt wird, ist die Unfähigkeit vieler Männer, mit ihrer Sexualität verantwortungsbewusst, respekt- und liebevoll umzugehen.Und damit auch mit den Frauen.Die Tatsache, dass es die Prostitution «schon immer» gegeben hat, heißt doch nur, dass sich in vielen Köpfen nicht viel verändert hat.Für mich ist die P. nur eine Form der Gewalt gegen Frauen, andere Männer und Kinder.Wenn wir es nicht schaffen, unsere Sexualität als Kraft der gebenden Liebe zu leben, werden Frauen und auch Kinder weiterhin als «Spucknäpfe» missbraucht, wie es Barry Long einmal in seinem Buch «Körperliche Liebe auf göttliche Weise» drastisch formulierte.Dabei ist die P. nur eine «Spielart", ein Beispiel, wie wir entfremdet mit dieser wundervollen Möglichkeit, Frieden und Glück zu erleben, umgehen: Sexuelle Gewalt, sei sie körperlicher, seelischer, manipulativer Natur, sei es in Pornos, Werbung, und am brutalsten als Vergewaltigung, in Kriegsgebieten ebenso wie im heimischen Schlafzimmer, ist immer noch ein Phänomen, dem viel zu wenig entgegengesetzt wird.Warum nur, frage ich mich?- Sind Männer tatsächlich ihren Trieben hilflos ausgeliefert?Oder scheuen sich die Verantwortlichen, den Nutznießern des Millardengeschäfts mit dem Sex in die Quere zu kommen? Warum lassen wir unsere jungen Leute bei diesem Thema so völlig im Stich? -Die Eltern spendieren großzügig das Geld für Nachhilfe in Mathe aber drücken sich oftmals vor ihrer Pflicht, mit ihren Kindern über Sexualität und Werte zu reden.Einerseits ist das Thema überall präsent andererseits offenbar immer noch mit Tabus und Scham belegt. Es sollte ein Schulfach «Liebe» geben, so wie es neuerdings ein Schulfach «Glück» gibt an einigen wenigen Schulen. Da hätten auch die angehenden Lehrer mal ein interessantes Studium...
Monika Achtmann, am 11. September 2017 um 17:05 Uhr

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