Tampons können gefährliche Giftstoffe wie Dioxine, Furane und Pestizide enthalten © WVE

Tampons können gefährliche Giftstoffe wie Dioxine, Furane und Pestizide enthalten

Geheimniskrämerei um Giftstoffe in Tampons

bbm / 24. Nov 2015 - Auf Druck von Konsumentinnen haben zwei Hersteller einige Inhaltsstoffe von Tampons veröffentlicht. Für US-Aktivistinnen ist die Transparenz ungenügend.

Die Hersteller Procter & Gamble (u.a. Tampax, Always) und Kimberly-Clark (u.a. U by Kotex) haben auf ihren Webseiten einige Inhaltsstoffe von Tampons, Binden und Slipeinlagen veröffentlicht. Sie reagierten damit auf den Druck von Konsumentinnen in den USA. «Women’s Voices for the Earth» fordern seit Jahren, dass Hersteller die Chemikalien in Hygieneprodukten für Frauen veröffentlichen und auf bestimmte Substanzen verzichten. Ende Oktober haben Aktivistinnen vor dem Firmensitz von Procter & Gamble (P&G) in Cincinnati demonstriert. Es sei inakzeptabel, dass P&G Schadstoffe in Hygieneprodukten für Frauen verwende und diese nicht deklariere.

Hersteller geizen mit Informationen

Die beiden Hersteller haben nur wenige Informationen preisgegeben. Damon Jones, Sprecher von P&G sprach gegenüber der «New York Times» von einem «Balanceakt». P&G wolle nicht zu viele Informationen veröffentlichen, da dies für die Konsumentinnen verwirrend sein könne. Carolyn B. Maloney, demokratische Abgeordnete im US-Kongress, sprach von einem «Schritt in die richtige Richtung» der Hersteller, der aber viel zu wenig weit gehe. Maloney verlangt seit fast zwanzig Jahren, dass die US-Gesundheitsbehörde «National Institutes of Health» die Chemikalien in den Hygieneprodukten für Frauen prüfen muss. Neun Vorstösse hat die Abgeordnete bisher gemacht, die alle gescheitert sind, bevor es zu einer Abstimmung im Parlament kam. Im neusten Vorschlag fordert sie mehr Transparenz über die Inhaltsstoffe und mehr Forschung über mögliche gesundheitliche Risiken.

Schadstoffe in Tampons

Frauen nutzen eine Woche pro Monat Tampons oder Binden. Jährlich werden weltweit Milliarden verkauft. Vor allem Tampons, die stundenlang im Körper verbleiben, sind in direktem Kontakt mit den Schleimhäuten im Intimbereich. Diese gelten als besonders empfänglich für Substanzen, die mehrere Stunden am oder im Körper sind. Über Blut- und Lymphgefässe können Giftstoffe in den Blutkreislauf gelangen. Welche Folgen dies für die Gesundheit von Frauen hat, ist weitgehend unerforscht. Laut einem Bericht der «Women’s Voices for the Earth» können Tampons unter anderen Dioxine, Furane und Pestizide enthalten. Diese stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und das Homonsystem zu stören. Andere Chemikalien wie Duftstoffe können allergische Hautreaktionen auslösen.

Krebs-Gefahr für Gebärmutterhals

Der argentinische Arzt Medardo Avila Vazques von der Universität Córdoba warnt vor dem Pestizid Glyphosat, das in Baumwollprodukten wie Tampons enthalten sein kann. Es steht ebenfalls im Verdacht, krebserregend zu sein. «Der Gebärmutterhals, dem die Tampons sehr nahe kommen, ist für Krebs besonders anfällig», sagte der Arzt der «Tageszeitung». Es sei «kriminell», einen krebserregenden Stoff in den Körper einzuführen. Ob und in welchen Mengen Glyphosat durch die Haut dringen kann, ist unklar. Avila Vazquez rät deshalb davon ab, Tampons zu benutzen, die Baumwolle enthalten.

«Gefährliche Gesetzeslücke»

Der Gesetzgeber hat die Verantwortung für Hygieneartikel an die Hersteller delegiert. In den USA gelten Tampons als medizinische Produkte. Die Aufsichtsbehörde Food & Drug Administration (FDA) verlässt sich auf die Angaben der Hersteller. In der EU unterliegen Tampons als «Gebrauchsgegenstände» der Produktsicherheitsrichtlinie. Weder in den USA noch in der EU sind die Hersteller verpflichtet, alle Inhaltsstoffe zu deklarieren. Das sei eine «gesundheitlich gefährliche Gesetzeslücke», sagt «Women’s Voices for the Earth». In Deutschland hat Öko-Test bereits 2008 in Tampons Rückstände von Chemikalien gefunden, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Im Kommentar schrieb Öko-Test damals: «Es gibt keinen vernünftigen Grund, derartige Mängel bei einem Produkt zu akzeptieren, das direkt in den Körper eingeführt wird.»

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Regula Weber, am 03. Dezember 2015 um 15:27 Uhr

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