Leihmutterschaft darf nicht legalisiert werden, schreibt Raúl Solís. © Av

Leihmutterschaft darf nicht legalisiert werden, schreibt Raúl Solís.

«Geschäft mit Gebärmüttern von Frauen»

fs / 05. Sep 2017 - Leihmutterschaft ist ein Geschäft auf Kosten armer Frauen, das nicht mit dem Recht auf Familie von homosexuellen Männern legitimiert werden darf.

Diese These vertritt der homosexuelle Journalist Raúl Solís. Anlass ist ein Gesetzesentwurf einer liberalen Partei in Spanien. Sie fordert, die nicht kommerzielle Leihmutterschaft zu legalisieren. Diese Forderung hat insbesondere unter homosexuellen Männern eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die Befürworter argumentieren mit einem Recht auf Kinder, das ihnen bisher verweigert werde. Raúl Solís erwidert auf der Plattform «paralelo 36.andalucia», dass Leihmutterschaft arme Frauen ausbeutet und deshalb nicht mit den Rechten von Homosexuellen legitimiert werden darf.

Kein Recht auf ein Kind

  • In keiner Verfassung und keiner Menschenrechtsdeklaration gibt es ein Recht auf ein Kind, schreibt Solís. Ein Kind kann man sich nur wünschen. Menschen mit viel Geld können sich diesen Wunsch auf Kosten der ärmsten Frauen erfüllen. Es ist Aufgabe des Staates, reiche Menschen daran zu hindern.
  • Leihmutterschaft ist Ausbeutung durch die Reproduktionsindustrie. Sie hat nichts mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren Körper zu tun. Ein Staat, der den Menschenrechten verpflichtet ist, darf deshalb Frauen daran hindern, ihre Gebärmutter zu vermieten. Ziel muss sein, die ärmsten Frauen vor der Ausbeutung durch Reiche zu schützen.

Rechte von Homosexuellen nur Vorwand

  • Parteien nutzen homosexuelle Männer oft als Vorwand, um die Legalisierung der Leihmutterschaft zu fordern. Doch um deren Rechte geht es ihnen nicht. Raúl Solís: «Sie verteidigen nicht die Gleichstellung der Homosexuellen, sondern die Unternehmen, die ein Geschäft mit den Gebärmüttern von Frauen machen wollen.»
  • Die nicht kommerzielle Leihmutterschaft gibt es bereits. Sie heisst Adoption. Diese ist ein langsamer Prozess, weil die Rechte des Kindes im Vordergrund stehen und nicht die Rechte der Erwachsenen. Historische Forderung der Homosexuellen ist die Freigabe der Adoption, nicht der Leihmutterschaft, die auf Kosten armer Frauen geht, schreibt Solís.

«Kinderkriegenlassen ist okay»

In den meisten europäischen Ländern ist Leihmutterschaft grundsätzlich verboten. Der Trend geht jedoch Richtung Legalisierung der nicht kommerziellen Leihmutterschaft. In Portugal ist dies seit kurzem möglich. In Deutschland titelte Anfang dieses Jahres die «Zeit», es müsse Schluss sein mit der Stigmatisierung der Leihmutterschaft: «Kinderkriegenlassen ist okay». Auch die Schweizer «Sonntags-Zeitung» forderte kürzlich in einem Editorial die Legalisierung der Leihmutterschaft. Liebe sei wichtiger als Biologie: «Leihmutterschaft ist eine Realität – ihr mit Verboten zu begegnen, ist falsch.»

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Eine Meinung

Wenn wir uns außerdem klarmachen, dass die Vermarktung der Gebärmutter den so gezeugten Kindern Entfremdung als Lebensthema in die Wiege legen, dann müssten wir dieser Vermarktung der weiblichen Fruchtbarkeit unbedingt einen Riegel vorschieben. Davon abgesehen erleiden die Leihmütter und die so gezeugten Kinder ein höheres Risiko für bestimmte Krebserkrankungen ( Ovarialkarzinom für die Leihmütter, bestimmte Formen von Blutkrebs für die Kinder sowie verdickte Blutgefäße und Störungen des Grössenwachstums) Natürlich sind dies nur statistische Risiken, aber für die Betroffenen durchaus real. Und genug WissenschaftlerInnen haben schon darauf hingewiesen., dass Traumatas der nächsten Generation als epigenetische Belastung in die Wiege gelegt werden.
Doris Braune, am 15. März 2018 um 11:34 Uhr

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