In Frankreich fordert eine Petition von Tampon-Herstellern Transparenz. © change.org

In Frankreich fordert eine Petition von Tampon-Herstellern Transparenz.

Giftstoffe in Tampons sollen unbedenklich sein

fs / 11. Mär 2016 - Tampons enthalten gefährliche Chemikalien. Für Behörden ist dies kein Grund, aktiv zu werden.

In Tampons, Binden und Windeln ist das unter Krebsverdacht stehende Herbizid Glyphosat enthalten. Dies geht aus einer Studie der argentinischen Universität La Plata hervor. Das sei kein Grund zum Handeln, schreibt die Schweizer Regierung in ihrer Antwort auf einen Vorstoss der Abgeordneten Valérie Piller Carrard (SP).

Hersteller verantwortlich

Die Studie habe Glyphosat-Konzentrationen festgestellt, die 1000 mal geringer seien als diejenigen, die in Lebensmitteln als gesundheitlich unbedenklich gälten. Es bestehe deshalb keine Gefahr für die Gesundheit. In der Schweiz und der EU gelte für diese Art von Produkten der Grundsatz der Selbstkontrolle der Hersteller. Diese müssten die Risiken von Schadstoffen in ihren Produkten abklären. Da sie «sehr auf ihren guten Ruf bedacht» seien, würden sie keine Produkte auf den Markt bringen, welche die Gesundheit ihrer Kundschaft gefährden.

Keine Deklarationspflicht

Tampons und Binden gelten als Gebrauchsgegenstände, deren Zusammensetzung der Hersteller nicht deklarieren muss. Eine Deklarationspflicht würde für Glyphosat sowieso nicht gelten, da das Herbizid kein Bestandteil sei, sondern ein Schadstoff, heisst es in der Antwort der Schweizer Regierung: «Das Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständerecht verlangt nicht, dass die Schadstoffe der Bestandteile deklariert werden.»

Ärztliche Warnung

Weltweit fordern Aktivistinnen von den Herstellern Transparenz über die Inhaltsstoffe von Tampons. Frauen nutzen eine Woche pro Monat Tampons oder Binden. Vor allem Tampons, die stundenlang im Körper verbleiben, sind in direktem Kontakt mit den empfindlichen Schleimhäuten im Intimbereich. Der argentinische Arzt Medardo Avila Vazques von der Universität Córdoba warnt ausdrücklich vor Glyphosat, das in Baumwollprodukten wie Tampons enthalten sein kann. «Der Gebärmutterhals, dem die Tampons sehr nahe kommen, ist für Krebs besonders anfällig», sagte der Arzt der «Tageszeitung». Es sei «kriminell», einen «wahrscheinlich krebserregenden» (laut WHO) Stoff in den Körper einzuführen. Ob und in welchen Mengen Glyphosat durch die Haut dringen kann, ist unklar. Avila Vazquez rät deshalb davon ab, Tampons zu benutzen, die Baumwolle enthalten. In Deutschland hat Öko-Test bereits 2008 in Tampons Rückstände von Chemikalien gefunden, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Im Kommentar schrieb Öko-Test damals: «Es gibt keinen vernünftigen Grund, derartige Mängel bei einem Produkt zu akzeptieren, das direkt in den Körper eingeführt wird.»

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