Instagram zensierte das Foto von Celeste Barber (rechts), aber nicht das Originalfoto (links). © cb

Instagram zensierte das Foto von Celeste Barber (rechts), aber nicht das Originalfoto (links).

Instagram zensiert Frauenkörper

fs / 28. Okt 2020 - Instagram blockiert das Foto einer nackten Frau mit normalem Körper. Das gleiche Foto mit einer dünnen Frau fällt der Zensur hingegen nicht zum Opfer.

Komikerin Celeste Barber parodiert in den sozialen Medien Fotos von Prominenten. Kürzlich fiel eines ihrer Fotos der Zensur von Instagram zum Opfer. Das Originalfoto blieb unbehelligt.

Instagram blockiert Parodie

Es zeigt Model Candice Swanepoel, die nur dürftig mit einer Jacke bekleidet ist. Mit der linken Hand verdeckt sie ihre nackte rechte Brust. Barber stellte die Pose nach. Im Unterschied zur dünnen Swanepoel hat sie einen normalen Körper und trägt eine String-Bikini-Hose. Doch für Instagram ist das trotzdem zu viel nackte Haut. Obwohl auf beiden Fotos die gleichen Körperteile nackt zu sehen sind, blockierte Instagram Barbers Post mit der Begründung, dass das Foto «gegen unsere Community-Richtlinien zu Nacktheit und sexueller Aktivität» verstösst. Die über 7 Millionen Followerinnen und Follower von Barber konnten das Bild deshalb nicht mehr teilen. Das Foto von Candice Swanepol hingegen liess sich weiterhin problemlos teilen.

Instagram spricht von «Versehen»

Followerinnen und Follower von Barber warfen Instagram Zensur vor. Instagram beschäftigt Tausende Angestellte, welche die Einhaltung der Richtlinien überwachen sollen. Demselben Zweck dienen auch Algorithmen. «Es ist unverständlich, dass nach wie vor Vorurteile den Algorithmus prägen», kritisierte der «Guardian». Laut Barber entschuldigte sich Instagram und sprach von einem «Versehen». Man wolle nun die Richtlinien überarbeiten. Instagram-Chef Adam Mosseri hatte bereits im Sommer in einem Blog-Eintrag versprochen, mehr zu tun, «um Verzerrungen aus unseren Entscheiden zu verbannen». Die Zensur des Fotos von Celeste Barber zeigt, dass sich bisher nicht viel geändert hat.

«Instagram normiert Frauenbild»

Soziale Medien wie Facebook und Instagram geraten immer wieder in die Kritik, weil sie Fotos von Frauen eher löschen, wenn ihre Körper nicht der Norm entsprechen. Die Künstlerinnen Arvida Byström und Molly Soda veröffentlichten vor drei Jahren in einem Buch Fotos von Frauen, die Instagram gelöscht hatte. Die Instagram-Zensur sei willkürlich, sagte damals Molly Soda: «Ein Bikinifoto, auf dem man Schamhaare sieht, wird zum Beispiel mit höherer Wahrscheinlichkeit gelöscht als eins ohne.» Dieses Beispiel zeige, wie das Unternehmen das Frauenbild normiere. Die Gesellschaft sei dieser Kontrolle ausgeliefert, da sie nach unklaren Kriterien und auf intransparenten Wegen erfolge.

Technologien zementieren Vorurteile

Instagram ist eine beliebte Foto- und Videoplattform mit weltweit über einer Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Richtlinien legen fest, welche Fotos erlaubt sind und welche nicht. Der Interpretationsspielraum ist jedoch gross und Instagram wird deshalb immer wieder Willkür vorgeworfen.

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Eine Meinung

Dass sich Leute über die Bevormundung durch Instagram & Co. aufregen, finde ich ein Armutszeugnis, eine Bankrotterklärung, denn die richtige Reaktion wäre, sich zu emanzipieren, unabhängig zu machen im Sinne Snowdens sich gegen die Dompteure zu wenden. Was ist denn das Merkmal, die Wurzel von Google, Amazon, Ebay, Paypal, Facebook, Instagram, Wikipedia & Co.? Meine Meinung: Es kommt maskiert als hilfsbereites Trojapferd daher (vergleiche auch das Buch «Bekenntnisse eines Economic Hit Man», EHM, NSA), wir öffnen ihm unser Heim, unser Innerstes. Es besetzt zentrale bzw. essenzielle Lebensfunktionen, macht abhängig wie eine Droge, agiert wie ein Virus, und vor allem: es spioniert persönliche Daten, was der Kern-Sinn der Sache sein dürfte; der Riesenreibach via Gebühren als Kollateralgewinn, wir (unser Habitat) als Endziel. Wir sollten es diagnostizieren wie ein fähiger Arzt langzeit-anamnestisch. Statt ohnmächtig gegen die Symptome des Monopols (von Insidern auch Totalitarismus genannt) zu plärren, sollten die Kinder erwachsen werden und gegen ihn selbst antreten. Denn ich sehe uns in derselben Situation wie die Indianer damals, und obwohl diesen weniger Mittel zu Verfügung standen, wehrten sie sich, warum tun wir das nicht? Wie bitte? Sie wüssten nicht, wie das ginge? Kleiner Hinweis zum Starten (historisch empirisch verifiziert): Zunächst sollten sich mal die Opfer solidarisch solidarisieren gegen den Aggressor.
Wolfgang Reuss, am 01. November 2020 um 14:37 Uhr

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