Eizellen werden in flüssigem Stickstoff konserviert. © ZDF

Eizellen werden in flüssigem Stickstoff konserviert.

Kliniken verkaufen Frauen falsche Hoffnungen

fs / 04. Jun 2014 - Aus eingefrorenen Eizellen bekommen nur wenige Frauen ein Baby. Trotzdem lassen immer mehr Frauen Eizellen einfrieren.

Clare Wilson hat mit 38 Jahren in einer Klinik in Grossbritannien unbefruchtete Eizellen einfrieren lassen, nachdem ihre Partnerschaft zerbrochen war. Man habe ihr gesagt, dass ihre Fruchtbarkeit überdurchschnittlich gut sei, erklärte sie der «Sunday Times». Sie habe die aufwändige und risikoreiche medizinische Behandlung durchgemacht. Schwanger wurde sie später mit den aufgetauten Eizellen nie. Niemand habe sie darauf vorbereitet. «Ich bereue meinen Entscheid und würde keiner Frau Ende 30 dazu raten.»

Tiefe Erfolgsrate

Laut der «Sunday Times» wurden in Grossbritannien zwischen 1991 und 2012 aus 253 Zyklen mit aufgetauten Eizellen nur 21 Kinder geboren. Das ist eine Erfolgsrate von bescheidenen 8 Prozent. Dafür müssen Frauen tief in die Tasche greifen: Die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen kostet etwa 6000 Pfund (7800 Euro, 9300 Franken). Ein ähnlich hoher Betrag wird später fällig für die Befruchtung im Reagenzglas und den Transfer des Embryos in die Gebärmutter. Hinzu kommen jährliche Gebühren von etwa 250 Pfund (330 Euro, 400 Franken) für das Aufbewahren der Eizellen. Susan Bewley, Professorin für Geburtshilfe am «King’s College» der University of London: «Dies ist eine Profit-getriebene Industrie, angetrieben von geschickter Werbung mit positiven Beispielen.»

«Experimentelle Behandlung»

Das Einfrieren unbefruchteter Eizellen ohne medizinischen Grund ist in den meisten europäischen Ländern erlaubt. Immer mehr Frauen lassen Eizellen einfrieren, auch in Grossbritannien. Nach Angaben der zuständigen Behörden waren es 2009 insgesamt 284 Frauen. Drei Jahre später waren es mit 580 schon mehr als doppelt so viele. «Eizellenvorsorge» nennen dies die Fruchtbarkeitskliniken. Der renommierte Arzt, Politiker und BBC-Moderator Robert Winston wirft ihnen vor, mit dem Kinderwunsch von Frauen Geschäfte zu machen. Die Entnahme und das anschliessende Einfrieren von Eizellen sei eine «experimentelle Behandlung». Diese sei nur gerechtfertigt, wenn es keine Alternative gebe. Das sei beispielsweise der Fall, wenn eine Frau wegen einer Krebstherapie unfruchtbar werden kann.

In Australien ist mit «Virtus Health» letztes Jahr erstmals ein Klinikunternehmen an die Börse gegangen, das auf künstliche Befruchtungen spezialisiert ist. Mit der Abhängigkeit vom Aktienmarkt erreiche das Milliarden-Geschäft mit dem Kinderwunsch verzweifelter Frauen eine neue Dimension, warnten Fachleute. «Virtus Health» stehe jetzt unter dem Druck der Investoren, Wachstum und Gewinne zu erzielen. Der Konzern könnte beispielsweise versucht sein, die bescheidenen Erfolgsraten von Zeugungen im Reagenzglas schöner darzustellen, um Investoren nicht abzuschrecken. Geschönte Zahlen könnten bei Frauen, die sich ein Kind wünschen, unrealistische Hoffnungen wecken.

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