Das US-Model Emily Ratajkowski zeigt ihre senkrechte Linie zwischen Brustkorb und Nabel. © BK
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Mager-Wettbewerbe stacheln zum Hungern an

fs / 13. Apr 2017 - In sozialen Netzwerken verherrlichen Jugendliche das Dünnsein. Wettbewerbe animieren zum Hungern.

«Challenges» heissen die Dünn-Sein-Wettbewerbe im Netz. Wer mitmacht, postet Bilder seines ausgemergelten Körpers und erhält dafür Anerkennung.

  • «Ab Crack» hat zum Ziel, die senkrechte Linie zwischen Brustkorb und Nabel sichtbar zu machen.
  • Bei der «Bellybutton Challenge» wetteifern Frauen um den flachsten Bauch. Dabei versuchen sie, mit der linken Hand über den eigenen Rücken von der rechten Seite nach dem Bauchnabel zu greifen.
  • Bei der «A4-Challenge» geht es darum, die Taille

    vollständig mit einem A4-Blatt abdecken zu können (© BK).

  • Wer an der «Collarbone Challenge» teilnimmt, muss möglichst viele Münzen in die Grube beim Schlüsselbein stapeln. Die besten Chancen haben ganz dünne Frauen.
  • Die «iPhone Challenge» hat ihren Ursprung in China: Man muss liegend beide Knie zusammendrücken und ein iPhone quer darüber legen. Wenn das Gerät beide Knie bedeckt, ist man dünn genug.
  • Die Challenge «Thigh Gap» hat einen Wettbewerb um die dünnsten Oberschenkel entfacht. Dafür muss die Lücke zwischen den Oberschenkeln sichtbar sein, wenn die Füsse nebeneinander stehen. Das ist für Frauen mit normalen Proportionen unmöglich.

«Einstiegsdroge»

Solche Dünn-Sein-Wettbewerbe können eine «Einstiegsdroge» in die Magersucht sein, sagte Andreas Schnebel im «Spiegel». Der Psychologe leitet den Verein «ANAD, Rat und Hilfe bei Essstörungen». Bereits Magersüchtige könnten die «Challenges» noch tiefer in die Sucht ziehen. Der Trend in den sozialen Netzwerken gehe zu immer unnatürlicheren Vorgaben. Als Beispiel nennt Sportwissenschaftler Ingo Froböse die «Ab Crack»-Challenge. Die senkrechte Linie zwischen Brustkorb und Nabel, welche das Ziel dieses Wettbewerbes ist, sei nur von gefährlich dünnen Frauen mit extrem durchtrainierter Bauchmuskulatur zu erreichen. Zudem sei eine genetische Veranlagung Voraussetzung. Wer diese nicht habe, könne auch mit Hungern und Trainieren diese Linie nie erreichen, sagte Froböse im «Spiegel».

Lebensgefährliche Krankheit

Magersucht ist eine lebensgefährliche Krankheit. Für Magersüchtige ist Körperfett hässlich und Knochen sind schön. Hüftknochen, Rippen und Wirbelsäule sollen sich so deutlich abzeichnen, dass die Haut aussieht wie eine dünne Decke, die über ein Skelett geworfen wurde. Laut der deutschen «Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung» (BZgA) sind vor allem Frauen betroffen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

so wenig wie möglich und so viel wie nötig - das Gleichgewicht zu halten,ist doch der Thrill, die 'challenge'. In welchen Bereichen des Lebens denn nicht? Soll mir doch keiner sagen, was schön ist; das weiss ich schon selber. Vielleicht geht's um den Unterschied, ob die Krankheit schön sei, oder die Schönheit krank? Wie eine Reaktion auf gesellschaftliche Zustände, ein Ausdruck des Empfindens? Ich finde, wir sollten häufiger Wissen austauschen: wenn der Psychologe sagt, dass nicht jede diese Brustkorb-Bauchnabel- Linie sichtbar machen kann, heisst ja damit nicht, dass die Linie nicht schön sei. Ich bin jetzt froh, hab' ich das geschrieben.
Sile Bigler, am 09. Juni 2017 um 13:51 Uhr

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