Janine Clayton von den Nationalen Gesundheitsinstituten will geeignetere Medikamente für Frauen. © PBS

Janine Clayton von den Nationalen Gesundheitsinstituten will geeignetere Medikamente für Frauen.

Medikamente auch an weiblichen Tieren testen

bbm / 12. Jun 2014 - In den USA soll eine neue Vorschrift Frauen davor schützen, Medikamente einzunehmen, die für sie ungeeignet sind.

In den Labors, wo neue Medikamente entwickelt werden, gelten weibliche Tiere wegen der Hormonschwankungen als untauglich für die Forschung. Neue Wirkstoffe werden deshalb fast ausschliesslich an männlichen Tieren erprobt. Das hat Folgen: Welche Wirkungen und Nebenwirkungen Medikamente bei Frauen haben, zeigt sich oft erst nach der Zulassung. So warnte die US-Medikamenten-Aufsichtsbehörde FDA Anfang letzten Jahres Frauen vor dem Wirkstoff Zolpidem, der in Schlafmitteln enthalten ist. Frauen sollten nur die Hälfte der üblichen Dosis schlucken, weil sie den Wirkstoff erheblich langsamer als Männer abbauen. Das als «Stilnox», «Ambien» und unter anderen Namen verkaufte Medikament ist das am häufigsten verschriebene Schlafmittel in Europa und den USA.

Strengere Vorgaben

Solchen Feldversuchen an Frauen will Francis Collins, Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA (NIH), nun einen Riegel schieben, berichtet die «New York Times». Forschende, die Geld vom staatlichen Institut wollen, müssen ab kommendem Herbst «ein Gleichgewicht» zwischen männlichen und weiblichen Versuchstieren in Tier- und Zellstudien einhalten. Jede Zelle habe ein Geschlecht, sagt Janine Clayton, die das Institut für Frauengesundheit an den NIH leitet. «Zellen sind männlich oder weiblich – und dieser Unterschied wirkt sich auf biochemische Vorgänge in den Zellen und damit auf die Funktionen des Organismus aus.»

Unterschiede erforschen

Weibliche Tiere seien nicht nur eine Variante der männlichen Tiere, sagt Jill Becker. Die Psychiaterin an der Universität Michigan erforscht Unterschiede im Suchtverhalten von Frauen und Männern. Die Labortests zum Drogenmissbrauch würden meist an männlichen Tieren gemacht, was schon zu falschen Erkenntnissen für Frauen geführt habe.

Mehr Tests nötig

Fachleute rechnen damit, dass für viele Tests die doppelte Anzahl Versuchstiere nötig sein wird, um die Unterschiede zwischen den Geschlechtern herauszufinden. Das sei der Grund dafür, dass im Labor weibliche Tiere und später in den klinischen Tests Frauen immer noch untervertreten sind. Der Widerstand gegen die neuen Vorgaben der Nationalen Gesundheitsinstitute werde gross sein. Nicht betroffen sind die Pharmakonzerne, die in ihren Labors weiterhin an männlichen Tieren forschen dürfen.

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