«Eltern sind nicht besser als Nicht-Eltern», sagt Peter V. Kunz. © ecb

«Eltern sind nicht besser als Nicht-Eltern», sagt Peter V. Kunz.

«Politik diskriminiert Kinderlose»

fs / 23. Feb 2017 - Ein renommierter Wirtschaftsjurist kritisiert, dass die Gesellschaft Kinderlosigkeit vor allem bei Frauen nicht akzeptiert und Familien glorifiziert.

Peter V. Kunz ist Professor für Wirtschaftsrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Bern. In einer Kolumne für die «Aargauer Zeitung» schrieb er, die Gesellschaft akzeptiere Kinderlosigkeit insbesondere bei Frauen nach wie vor nicht. Eltern hingegen seien «die überschätzteste menschliche Spezies».

«Privatvergnügen von Dritten»

Kinder seien kein Leistungsausweis. «Eltern sind nicht besser als Nicht-Eltern». Trotzdem unterstützten Politik und Gesellschaft Eltern. Sie seien «quasi automatisch gute Menschen».

Kinderlose hingegen würden als «Egoisten» gelten. Wer keine Kinder habe, müsse sich erklären. Das treffe vor allem auf Frauen zu. Das sei ungerecht, weil Kinderlose geringere Kosten verursachen und zudem Kinder mitfianzieren. «An sich sollten die Kinderlosen gelobt werden, leisten sie immerhin einen nicht unwesentlichen Beitrag an ein Privatvergnügen von Dritten.»

«Frauen fühlen sich verstanden»

Kunz ist selber kinderlos. «Als Direktbetroffener muss ich feststellen, dass wir Kinderlosen durch die Politik systematisch benachteiligt, wenn nicht sogar diskriminiert werden, ohne dass dies angeprangert würde», schreibt er. Auf seine Kolumne erhielt Kunz zahlreiche Reaktionen. «Viele Frauen fühlen sich verstanden, weil sie ihre Kinderlosigkeit oft rechtfertigen müssen», sagte er im «Blick». Er hätte die Kolumne auch geschrieben, wenn er Kinder hätte. Wer Kinder wolle, solle sie machen. Was ihn störe sei, «dass Kinderlose den Nachwuchs mitfinanzieren und schliesslich als Deppen dargestellt werden und sich sogar für ihre Kinderlosigkeit erklären müssen».

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4 Meinungen

Der Absatz über die Kinderlosen ist voll gerechtfertigt. - I
Ich möchte hinzufügen: Kinderlose sollten die Möglichkeit haben, Paare und Alleinerziehende bei ihrer Erziehungsarbeit finanziell zu unterstützen, was voll steuelich anerkannt werden müsste. Ebenso ihre Arbeit im Umweltschutz!!!
Else Shamel, am 23. Februar 2017 um 11:30 Uhr
Wo wird übrigens die Geburtenziffer pro Mann im zeugungsfähigen Alter für die Schweiz veröffentlicht?
Die der Frauen erscheint jährlich und daraufhin postwendend das Bashing der kinderlosen Frauen in den Medien, die als egoistisch hingestellt werden, obwohl es bekanntlich genauso den männlichen Part braucht, damit Kinder entstehen!
Susanne Maeder, am 23. Februar 2017 um 13:23 Uhr
Ich bin eine kinderlose, unverheiratete Frau und habe drei Geschwister, die alle verheiratet sind und Kinder haben. Ich fühle mich sehr verstanden von Herrn Kunz. Ich empfinde auch Diskriminierung, die meiste Ablehnung oder Enttäuschung kommt wohl leider von der eigenen Familie, resp. von seitens der Eltern. Wird wohl einfach ein Abbild unserer Gesellschaft sein, welche meiner Meinung nach immer noch unglaublich patriarchalisch organisiert ist, was von vielen Frauen leider ebenfalls sehr mirgetragen wird und uns kinderlosen Personen/Paare/Familien nicht weiterhilft.

Ich lerne damit zu leben.... bin mittlerweile 50ig, das macht es etwas einfacher und leichter :-)
Regula Möri, am 01. März 2017 um 20:52 Uhr
Die gesellschaftliche Diskriminierung von kinderlosen Frauen ist ein Phänomen, das ich immer wieder beobachte und offenlege. Die tief verankerten patriarchalen Strukturen kommen eben auch heute noch immer wieder zum Vorschein. Jedoch Kinder zu aufzuziehen und bis ins Erwachsenenaltern zu begleiten als «Privatvergnügen» zu bezeichnen, finde ich doch etwas dreist. Für mich, die Beruf, politisches Engagement und Erziehungsarbeit über Jahre miteinander praktiziert hat, grenzt diese Aussage an Respektlosigkeit. Solange die Familienarbeit nicht als Arbeit, wie eine andere Arbeit anerkannt wird, bleiben wir eben in den alten Mustern. Verena Kleeb
Verena Kleeb, am 11. Mai 2017 um 18:23 Uhr

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