Einfachere Spital-Geburten dank Hebammen

fs / 18. Okt 2013 - Wenn Hebammen Frauen während der Schwangerschaft und Geburt betreuen, verläuft die Spital-Geburt leichter. Das zeigt eine Studie.

Bei Geburten im Krankenhaus sind medizinische Eingriffe und Frühgeburten seltener, wenn Hebammen Frauen kontinuierlich während der Schwangerschaft und der Geburt deren Ansprechpartnerinnen sind. Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Studie der renommierten Cochrane Collaboration, einem weltweiten Netz von Forschenden, das regelmässig Studien auswertet.

Das Forschungsteam hat für die Analyse 13 Studien aus fünf Ländern – Grossbritannien, Irland, Australien, Kanada und Neuseeland – mit insgesamt 16’242 Schwangeren analysiert. Ausgewählt wurden Studien, für die Schwangere zufällig einer kontinuierlichen Betreuung durch Hebammen oder einer anderen Betreuungsform zugeteilt wurden. Alle brachten ihr Kind im Krankenhaus zur Welt. Acht Studien erfassten nur Frauen ohne erhöhtes Risiko für Komplikationen. Bei fünf Studien nahmen auch Schwangere teil, die beispielsweise schon älter waren oder gesundheitliche Probleme und damit ein höheres Komplikationsrisiko hatten.

Weniger Medikamente und ärztliche Eingriffe

Die Ergebnisse: Frauen, die während Schwangerschaft und Geburt kontinuierlich von Hebammen betreut werden, haben im Durchschnitt eine halbe Stunde länger Wehen als bei einer ärztlich geleiteten Geburt. Hingegen können Frauen mit Hebammen-Betreuung ihre Kinder häufiger ohne pharmakologische oder instrumentelle Hilfe auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Bei ihnen wird seltener ein Dammschnitt gemacht, auch Zange, Saugglocke und andere Hilfsmittel werden seltener gebraucht. Eine örtliche Betäubung wird weniger häufig eingesetzt. Frühgeburten und Totgeburten vor der 24. Schwangerschaftswoche sind bei der kontinuierlichen Betreuung durch Hebammen deutlich seltener.

Keinen Unterschied gibt es, wenn während der Geburt Komplikationen auftreten. Dann erfolgt bei allen Betreuungsmodellen gleich häufig ein Kaiserschnitt. Keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Betreuungsformen stellte das Forschungsteam auch fest, wenn es zu Komplikationen kommt.

Betreuung durch Hebammen: Frauen sollten die Wahl haben

Das Forschungsteam zieht aus der Studie den Schluss, dass schwangeren Frauen mindestens die Option der kontinuierlichen Betreuung durch eine Hebamme angeboten werden sollte. Studienleiterin Jane Sandall vom King's College London: «Frauen sollten ermutigt werden, nach dieser Möglichkeit zu fragen.» Nur auf Frauen mit gravierenden gesundheitlichen Problemen seien die Studienergebnisse nicht ohne weiteres übertragbar.

Die Wahlmöglichkeiten der Schwangeren sind von Land zu Land unterschiedlich. In den Niederlanden, Grossbritannien, Kanada und Australien ist die kontinuierliche Betreuung durch eine Hebamme Standard. In den USA sind grundsätzlich Ärztinnen und Ärzte für Schwangerschaft und Geburt verantwortlich.

In Deutschland und anderen Industrieländern können Schwangere zwischen verschiedenen Betreuungsformen wählen. Weit verbreitet ist die ärztlich geleitete Geburtshilfe. Ärztinnen und Ärzte betreuen die Frauen während der Schwangerschaft und der Geburt. Es gibt aber auch hebammengeleitete Geburtshilfeangebote und Mischformen.

In der Schweiz verlangt eine Petition des Schweizerischen Hebammenverbandes von den Gesundheitsdirektionen und Spitalleitungen aller Kantone, in den Krankenhäusern Geburtsabteilungen einzurichten, die Hebammen leiten.

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Keine

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