Rebecca Bender wurde zur Prostitution gezwungen. © oveTV

Rebecca Bender wurde zur Prostitution gezwungen.

«Stoppt Verherrlichung der Prostitution»

fs / 07. Nov 2016 - Eine junge Amerikanerin war sechs Jahre in den Fängen von Frauenhändlern. Jetzt will sie die Gesellschaft aufrütteln.

Die US-Amerikanerin Rebecca Bender war 18 Jahre alt und schwanger, als sie sich in einen Mann verliebte. Sie sei unsicher gewesen und dieser Mann habe ihr Antworten auf ihre Fragen, Versprechen für die Zukunft und Sicherheit gegeben, schreibt sie in einem Artikel für «Women’s eNews». Sie zog mit ihrem Freund in eine weit entfernte andere US-Stadt. Dort zwang er sie gewaltsam zur Arbeit als Escort-Prostituierte. «Auf diese Weise werden unzählige Mädchen und Frauen getäuscht und dann in die Prostitution gezwungen.»

«Sklaverei mitten unter uns»

Bender wurde in den sechs Jahren als Zwangsprostituierte drei Mal verkauft, war mehrmals wegen schweren Verletzungen im Spital und auch im Gefängnis. Niemand erkannte ihre Zwangslage. Zwei Frauenhändler tätowierten ihre Namen auf ihren Körper, um Bender als ihr Eigentum zu kennzeichnen. «Das ist gängige Praxis.» Das Geld der Kunden musste sie abgeben. Bender unternahm mehrere Fluchtversuche, wurde jedoch von ihren Zuhältern psychisch derart unter Druck gesetzt, dass sie jedes Mal zurückkehrte. Sie drohten ihr beispielsweise mit der Entführung ihres Kindes oder Gewalt gegen ihre Herkunftsfamilie. «Ich lebte in einem ständigen Zustand der Angst.» In den reichen Nationen verstehe man unter Frauenhandel meist Kinder in der dritten Welt. «Doch moderne Sklaverei existiert mitten unter uns.» Vom Frauenhändler bis zum Taxifahrer würden viele dazu beitragen, dass das «kriminelle Geschäft» mit den Frauen gut laufe.

«Mythen über Prostitution»

Bender kritisiert die «Mythen über Prostitution». Was grundsätzlich schädlich ist, werde als frei gewählter Lebensstil verherrlicht. «Ich wurde zu erniedrigenden Handlungen gezwungen, oft mit Männern älter als mein Grossvater. Und es waren nicht nur die Menschenhändler, die mich ausbeuteten. Die reichen Kunden, die meinen Körper gekauft hatten, waren keine Heiligen. Während ich bei einem Kunden war, sass mein Zuhälter in einem Wagen mit meiner kleinen Tochter vor dem Haus, und signalisierte mir damit, dass ihr Wohlergehen, ihr Überleben, von meinem Tun abhängig war.» Die Flucht gelang erst, als ihr letzter Zuhälter wegen Steuervergehen ins Gefängnis musste.

«Kunden verschliessen die Augen»

Rebecca Bender wirft den Kunden vor, die Augen zu verschliessen. «Sie wollten glauben, dass ich eine selbstständige, glückliche Prostituierte bin, wie Julia Roberts im Film ’Pretty Woman’.» Prostitution zu verherrlichen und zu legitimieren, sei für die Opfer von Frauenhandel «zutiefst entmutigend.» Alle könnten etwas dagegen tun: «Männer und Frauen müssen aufstehen und unsere Kultur ändern, die Prostitution verherrlicht und damit normalisiert.» Bender selber informiert nun landesweit über Frauenhandel, bietet Schulungen für Behörden und Gesundheitsinstitutionen an und unterstützt Überlebende des Menschenhandels.

Umstrittene Freiwiligkeit

Die Frage, ob es eine freiwillige Prostitution gibt und ob diese von Zwangsprostitution unterschieden werden kann, ist umstritten. Je nach Standpunkt wird der Staat aufgefordert, die freiwillige Prostitution zu legalisieren, oder das Milliardengeschäft konsequent zu unterbinden und Prostituierte beim Ausstieg zu unterstützen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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5 Meinungen

Es ist furchtbar, wenn Frauen zu Prostitution gezwungen werden und Bender hat Schreckliches erlebt. Es nutzt aber auch nichts Prostitution zu verdammen.
Ob es freiwillige Prostitution gibt ist keine Frage des Standpunktes, sondern der Fakten. Frauen die sich freiwillig prostituieren gibt es und sie bezeichnen sich meistens als Sex Worker, das lässt sich z.B. ganz einfach googeln.
Nicola Winzer, am 07. November 2016 um 15:36 Uhr
Es ist mir ein Rätsel, wie es heute noch gebildete fortschrittliche Frauen sich auf die Seite derer stellen, die die Prostitution als freigewählten Beruf anerkennen- siehe das von Rot Grün in Deutschland erlassene Gesetz in den 90 ihren. Hier in meiner Heimatstadt Stuttgart gab es ein Bordell, daa in der ganzen Stadt dafür offen warb, als Flatrate Angebot - Frauen anal ,vaginal und oral benutzen zu dürfen. Dieses eine Bordell gibt's nicht mehr aber vergleichbare mit den selben menschenverachtenden Angeboten nur nicht mehr ganz so offensiv beworben. Prostitution zerstört die menschliche Gemeinschaft, zuallererst die Prostituierte aber letztlich uns alle. Ein Frauenbild, in dem es Männern erlaubt ist , Frauen zu kaufen und zu benutzen, zerstört ein gesundes Verhältnis von Männern und Frauen zueinander mal abgesehen davon wie sich das auswirkt auf das Verhältnis der frauengebrauchenden Männer zu ihren Töchtern und Söhnen. Ich finde Prostitution muss ebenso verboten sein wie jede andere Form der Sklaverei. Doris Braune
Doris Braune, am 25. November 2016 um 14:37 Uhr
Super formuliert Frau Braune, bin ganz Ihrer Meinung!
Beatrice van Altena, am 01. Dezember 2016 um 15:12 Uhr
Es geht nicht darum, sich auf eine Seite zu stellen, sondern die Realität anzuerkennen, sich zu informieren und den Betroffenen zuzuhören. Ich finde es wichtig, dass Frauen entscheiden können wie sie leben und arbeiten möchten ohne Rücksicht auf moralische Bedenken anderer. Nur so erreichen wir, das Frauen nicht benutzt werden, sondern selbstbestimmt leben können. Eine Frau, die sich ohne Zwang prostituiert, verkauft weder sich noch ihren Körper sondern eine Dienstleistung. Ein Verbot der Prostitution verhindert Zwangsprostitution auch nicht, wie die Erfahrung gezeigt hat.
Nicola Winzer, am 01. Dezember 2016 um 17:16 Uhr
Ich stimme Frau Braun ebenfalls gerne zu. Ein «gesundes Verhältnis» zwischen Frauen und Männern gibt es in unserer Gesellschaft eher selten. Wir sind mehr oder weniger alle geprägt von einer konsumorientierten Mentalität. Wir sollten auch bedenken, dass viele Frauen das Bewusstsein gar nicht haben, dass sie da, falls es wirklich «freiwillig» ist, etwas tun, was ihrer Seele und ihrem Körper schadet. Viele Frauen, die es «freiwillig» tun, erlebten in der Kindheit bereits sexuellen Mißbrauch und rationalisieren, dass sie ihre Selbstliebe schon lange verloren haben.Wenn wir Sexualität als Ausdruck einer intimen Zuwendung begreifen, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist, kommt Prostituition nicht infrage.Für mich ist es zumindest keine Frage, ob Prostituition eine freiwillige Dienstleistung sein kann. Sie ist die Antwort einer von sich selbst entfremdeten Frau auf unsere konsumierende und benutzende patriarchalische Gesellschaftsstruktur.
Monika Achtmann, am 06. Dezember 2016 um 14:45 Uhr

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