Marienstatue: Die neue Bibelübersetzung rüttelt am Dogma der Jungfräulichkeit von Maria. © abc

Marienstatue: Die neue Bibelübersetzung rüttelt am Dogma der Jungfräulichkeit von Maria.

Bibelübersetzung: Frauen etwas öfter genannt

fs / 07. Okt 2016 - Die Katholische Kirche veröffentlicht eine neue deutsche Bibelübersetzung. Frauen sind nicht mehr nur «mitgemeint».

Die neue Übersetzung orientiert sich stärker als bisher an den hebräischen, aramäischen und griechischen Urtexten. So erhält im Römerbrief von Paulus die «Apostelin Junia» ihr eigentliches Geschlecht zurück. Sie ist im Laufe der Zeit zum Mann Junius geworden. Dies wird nun rückgängig gemacht.

Kontroverse um «Brüder und Schwestern»

Auf Kritik des Vatikans stiess die neue Übersetzung der Paulusbriefe an die Gemeinde. Paulus spricht neu die «Brüder und Schwestern» statt nur die «Brüder» an. Das griechische Wort «adelphoi» (Brüder) habe unausgesprochen immer auch die Frauen mitgemeint, begründet das Übersetzungsteam. Ein Vatikan-Gutachter war anderer Meinung und schlug vor, die Anrede «Brüder und Schwestern» im Gottesdienst vor der eigentlichen Lesung zu gebrauchen und dann den Paulustext unverändert zu lassen. Schliesslich gab die zuständige Gottesdienstkongregation jedoch nach und akzeptierte die neue Übersetzung.

Kompromiss zwischen Forschung und Tradition

Bereits im Vorfeld zu reden gab auch die Jungfrauen-Stelle im Buch Jesaja. Zu den zentralen Positionen der katholischen Lehre gehört, dass Maria, die Mutter Jesu, immer Jungfrau blieb. An diesem Dogma rüttelt die neue Übersetzung ein wenig. Bisher hiess es: «Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen». Neu heisst es: «Seht, die Jungfrau hat empfangen». Die Frau war also Jungfrau und wird dann schwanger. Alles weitere bleibt offen. Zudem informiert eine Fussnote, dass das hebräische «almah» eigentlich «junge Frau» bedeutet. Damit setze das Übersetzungsteam ein Fragezeichen hinter die Jungfräulichkeit von Maria, schreibt die «Welt». Im Haupttext habe das Übersetzungsteam den Begriff aber nicht ersetzt: «An diesem sensiblen Punkt bevorzugt es den Kompromiss zwischen Forschungsstand und Tradition».

Ökumenische Übersetzung gescheitert

Die neue Einheitsübersetzung für die katholische Liturgie, den katholischen Religionsunterricht und die katholische Seelsorge im deutschen Sprachraum erscheint Ende dieses Jahres. Sie ersetzt die erste Einheitsübersetzung aus dem Jahr 1979. Vorher war die Sprache der Messe Latein. An der neuen Übersetzung hat ein Wissenschaftsteam im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz über zehn Jahre gearbeitet. Aus dem ursprünglich ökumenischen Projekt hat sich die evangelische Kirche 2005 zurückgezogen. Begründung: Der Einfluss des Vatikans sei zu gross. Bereits im Oktober wird deshalb auch eine neue Ausgabe der Lutherbibel erscheinen.

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3 Meinungen

Und sie können es nicht lassen, die Männer zu Rom. Nämlich die Forschung auch zur Bibel zu behindern. Unsäglich! Maria war eine junge Fraue, basta!
Das Dogma der Jungfäulichkeit Marias ist wie die meisten den Köpfen von klerikalen Männern entsprungen. Es ging diesen ja wie mit dem Dogma der „unbefleckten Empfängnis“ darum, Mirjam, die Mutter Jesu als eine besondere Frau darzustellen.
Die Zeit der Märchenstunden auch in den Kirchen sollte vorbei sein. Da lobe ich mir die Übersetzung der «Bibel in gerechter Sprache", wo sowohl den Frauen, der vielfätigen Darstellung Gottes wie der jüdischen Tradition, in der sich Jeschua ben Mirjam, der Wanderprediger aus Nazareth verstand, Rechnung getragen wird.
Esther Gisler Fischer, am 07. Oktober 2016 um 09:13 Uhr
Das ist ja eine Überraschung! Auf diese Bibel bin ich ausserordentlich gespannt, es gibt da noch ein paar einschlägige Stellen, die ich sofort nachschlagen werde.
Es geschieht etwas, wenn auch noch nicht alles, aber immerhin. Andere Übersetzungen sind noch lange nicht so weit und bewiesen weniger Mut.
Irene Gysel, am 14. Oktober 2016 um 09:05 Uhr
Andere Übersetzungen sind jedoch bereits viel weiter; -s. die BigS. Die im Artikel erwähnte Überstzung kann der nicht das Wasser reichen ...
Esther Gisler Fischer, am 17. Oktober 2016 um 10:48 Uhr

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