Auf duden.de verschwindet das generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen. © AStefanoitsch

Auf duden.de verschwindet das generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen.

«Die männlichen Formen waren nie geschlechtsneutral»

fs / 25. Feb 2021 - Der Duden macht bei Personenbezeichnungen Schluss mit dem generischen Maskulinum: Die «Ärztin» ist nicht mehr bloss die «weibliche Form von Arzt».

Die Duden-Redaktion überarbeitet im Online-Wörterbuch die Personen- und Berufsbezeichnungen. Zur männlichen Form kommt explizit die weibliche hinzu. Ein «Mieter» ist nicht mehr «jemand, der etwas gemietet hat», sondern eine «männliche Person, die etwas gemietet hat». Und eine «Mieterin» ist eine «weibliche Person, die etwas gemietet hat». Bei «Ärztin» hiess es bisher «weibliche Form von Arzt». Neu steht im Online-Duden: «weibliche Person, die nach Medizinstudium und klinischer Ausbildung die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten hat, Kranke zu behandeln.»

Schluss mit dem generischen Maskulinum

Rund 12'000 Berufs- und Personenbezeichnungen will die Duden-Redaktion bis Jahresende auf diese Weise präzisieren. «Die männlichen Formen waren nie geschlechtsneutral, wir präzisieren im Rahmen der kontinuierlichen redaktionellen Arbeit an unseren Inhalten lediglich die Bedeutungsangaben», hiess es zur Begründung in der «Welt». Damit verschwindet auf duden.de bei Personenbezeichnungen das generische Maskulinum, das Frauen mit meint. Das löste vor allem in Deutschland einen Sturm der Entrüstung aus. Befürworter des generischen Maskulinums sprachen von «Gender-Gaga» und «Gender-Unsinn». Allerdings: Man kann genauso gut von «Gender-Unsinn» sprechen, wenn die männliche Form für alle Personengruppen gelten soll.

Sprache als Bestandteil eines Wandels

Die Behauptung, das grammatische Geschlecht (Genus) habe mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) nichts zu tun, ist vielfach widerlegt, zuletzt von den renommierten Linguistinnen Gabriele Diewald und Damaris Nübling. Diewald sagte im «Spiegel», dass man zwar Frauen mitmeinen könne, wenn man von «Lehrer» spreche. Doch die Forschung zeige, dass Mädchen und Frauen sich nicht angesprochen fühlen. Grundproblem sei das Patriarchat, in dem es ein wichtigeres und ein weniger wichtiges Geschlecht gebe. Wenn man zum Beispiel den Frauenanteil in einem Beruf erhöhen wolle, müsse man an verschiedenen Stellen ansetzen. Und eine davon sei die Sprache. Sie sei immer Bestandteil eines gesellschaftlichen Wandels und lasse sich nicht getrennt davon betrachten.

Gewöhnungseffekt

Kolumnistin Margarete Stokowski stellte in «Spiegel Online» die Frage, weshalb die Befürworter des generischen Maskulinums nicht einfach dazu stehen können, dass sie es mühsam finden, Frauen explizit zu nennen. Das wäre nachvollziehbar und menschlich. «Wozu all diese Fantasie-Argumente, wenn es eigentlich um eine Sache geht: dass manche Leute es anstrengend finden, ihre Sprache umzustellen, und andere Prioritäten haben?» In der Schweiz setzt das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen gerechte Sprache schon länger um. Das habe anfangs mühsam und aufgesetzt gewirkt, schrieb in der «Sonntagszeitung» Rico Bandle, der eher für konservative Ansichten bekannt ist. «Doch irgendwann setzt der Gewöhnungseffekt ein.»

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