Renee Rabinowitz klagt wegen Diskriminierung gegen die Fluggesellschaft El Al. © J. Steinbeg

Renee Rabinowitz klagt wegen Diskriminierung gegen die Fluggesellschaft El Al.

Diskriminierungs-Klage gegen Fluggesellschaft

fs / 11. Mär 2016 - Eine Fluggesellschaft behandelt Passagierinnen nicht gleich wie Passagiere. Eine Betroffene hat jetzt Klage eingereicht.

In Flugzeugen der israelischen Fluggesellschaft El Al weigern sich immer wieder ultraorthodoxe jüdische Passagiere, neben Frauen zu sitzen. Sie verhindern den Start oder bleiben auch während langen Flügen in den Gängen stehen. Die Flugbegleiter fordern deshalb in der Regel die Frauen auf, ihren Platz zu wechseln. Jetzt hat eine Betroffene Klage eingereicht. Sie verlangt Schadenersatz.

«Herabgesetzt» gefühlt

Ein El Al-Flugbegleiter hatte vor dem Flug von den USA nach Israel der 81-jährigen Professorin Renee Rabinowitz einen «besseren Platz» angeboten. Diese fragte ihren Sitznachbarn, was das Problem sei. Er wolle aus religiösen Gründen nicht neben einer Frau sitzen, antwortete er. «Hier bin ich, eine ältere, gebildete, weit gereiste Frau und plötzlich sagt mir irgendein Mann, dass ich nicht neben ihm sitzen soll», sagte Rabinowitz der «New York Times». Sie habe sich «herabgesetzt» gefühlt. Sie habe nichts gegen Ultraorthodoxe, «solange sie mir nicht sagen, was ich zu tun habe». Nach dem Flug habe sie mit dem Piloten gesprochen. Dieser habe bestätigt, es sei El Al-Politik, die Forderungen der Ultraorthodoxen zu erfüllen.

Klage gegen El Al

Die frühere Rechtsanwältin hat mit Hilfe des Israel Religious Action Center (IRAC), einer Rechtshilfe- und Lobbyorganisation des Reformjudentums, Klage gegen El Al eingereicht. Die Fluggesellschaft diskriminiere Frauen schon seit langem, sagt Anat Hoffman, Chefin des IRAC. Die Aussage von Rabinowitz ermögliche es, dies zu beweisen. «Jetzt können wir beweisen, dass es bei El Al Praxis ist, die Forderung der Ultraorthodoxen zu befolgen, nicht neben einer Frau sitzen zu wollen.» El Al bestreitet, Frauen zu diskriminieren. Man behandle alle Passagierinnen und Passagiere gleich. Der Flugbegleiter habe Rabinowitz erklärt, dass sie nicht verpflichtet sei, den Platz zu wechseln. Sie habe aber eingewilligt.

Kampf gegen Geschlechtertrennung

Das IRAC hat in Israel bereits erfolgreich gegen die Geschlechtertrennung in öffentlichen Bussen geklagt. Vor fünf Jahren entschied das Höchstgericht, dass Frauen nicht gezwungen werden dürfen, in den Bussen abseits der Männer Platz zu nehmen. Ein öffentliches Verkehrsunternehmen dürfe Frauen nicht vorschreiben, wo sie zu sitzen haben. Zwei Jahre später erliess der Generalstaatsanwalt Richtlinien, welche die Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit verbieten.

Erfolgreich war IRAC Anfang dieses Jahres auch mit einer Klage gegen eine ultraorthodoxe Radiostation. Diese muss nun auch Moderatorinnen beschäftigen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Neben den Abonnements-Einnahmen machen dies Spenden möglich.

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)
DE35 7001 0080 0058 5958 07 (Euro)
BIC: PBNKDEFF

2 Meinungen

Mich erinnert das was ich da lese an die Geschichte von Rosa Park. Der Frau im Amerikanischen Bus, die sich an einen Platz setze, den sie als schwarze Frau nicht hätte einnehmen dürfen. Von einem Passagier aufgefordert aufzustehen, blieb sie sitzen. Es war ein weiteres Zeichen für die Schwarzen Amerikaner auf ihrem Weg zur Aufhebung der Rassentrennung weiterzumachen. Für mich ist das «blanker Rassismus» in diesem Fall gegen die «Rasse Frau» ich wundere mich immer wieder, warum das nicht schon längst bewusst ist, dass Frauen im Patriarchat solchen «Herabsetzungen ausgesetzt sind» und im übrigen geht es nicht einmal darum ob nun die Frau hochgebildet und weitgereist sei..... sich nicht neben eine Frau setzen wollen, ihr nicht die Hand geben wollen, nur weil sie Frau ist, meiner Ansicht ist das die «Wurzel» des Rassismus. Andere Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe usw. ausgrenzen ist das nicht menschenrechtswidrig? Die Fluggesellschaft sollte meiner Ansicht nach halt die Leute nicht befördern, die nicht neben Menschen des anderen Geschlechts sitzen wollen. Echt...... mich stresst das jetzt ziemlich nach der Geschichte mit dem Salafisten, der aus religiösen Gründen nicht arbeiten kann.
Martha Beéry, am 11. März 2016 um 11:29 Uhr
Und dann sage nochmal jemand etwas gegen den Islam.
Rüdiger Becher, am 22. Februar 2017 um 16:30 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.