Der israelische Rapper Khen Rotem dokumentierte auf Facebook das Verhalten der Fundamentalisten. © kr

Der israelische Rapper Khen Rotem dokumentierte auf Facebook das Verhalten der Fundamentalisten.

Fluggesellschaft beendet Mobbing gegen Frauen

fs / 12. Jul 2018 - Erst die Boykottdrohung eines Unternehmens zeigt Wirkung: Religiöse Fundamentalisten, die nicht neben Frauen sitzen wollen, dürfen nicht mehr mitfliegen.

In Flugzeugen der israelischen Fluggesellschaft El Al weigern sich immer wieder ultraorthodoxe jüdische Passagiere, neben Frauen zu sitzen. Die Crew-Mitglieder fordern in der Regel die Frauen auf, ihren Platz zu wechseln. Letztes Jahr verurteilte ein Gericht diese Praxis als diskriminierend und rechtswidrig. Doch erst jetzt hat EL Al die Vorschriften für die Flugbesatzungen geändert.

Mobbing gegen Frauen

Anlass war ein Vorfall auf einem Flug von New York nach Tel Aviv. Vier fundamentalistische Männer weigerten sich, neben Frauen zu sitzen und verlangten, dass diese die Plätze wechseln müssen. Mit weiblichen Crew-Migliedern wollten sie nicht sprechen, wie der mitreisende Rapper Khen Rotem, Künstlername «Sagol 59», berichtete. Er hatte den Vorfall auf Facebook öffentlich gemacht. Die Männer hätten die Flugbegleiterinnen «weder angeschaut noch mit ihnen gesprochen», schrieb Rotem.

Frauen wechselten Plätze

Männliche Flugbegleiter und der Ko-Pilot mussten schliesslich mit den Männern verhandeln, «statt den Flug vorzubereiten und sich um die Passagiere zu kümmern». In der langen und oft auch lauten Auseinandersetzung sei es um Theologie und Glaubensfreiheit versus individuelle Freiheitsrechte gegangen. Schliesslich erklärten sich zwei Frauen bereit, ihre Plätze zu tauschen. Sie hätten kein Upgrade erhalten, berichtete Rotem. El Al entschuldigte sich und schrieb in einem Kommentar zu Rotem’s Facebook-Post, es dürfe niemand diskriminiert werden. «El Al Flugbesatzungen tun alles, um den Bedürfnissen aller Passagiere gerecht zu werden.»

Erfolgreiche Boykottdrohung

Barak Eilam, Chef eines der grössten Technologieunternehmens in Israel, war dies zu wenig. Mit ihm protestierte ein Schwergewicht aus der Wirtschaft, die sich gegenüber den Fundamentalisten sonst eher zurückhält. Eilam drohte mit Boykott: «Wir machen keine Geschäfte mit Unternehmen, die jemanden aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religion diskriminieren. Wir werden nicht mehr mit El Al fliegen, bis die Fluggesellschaft ihre diskriminierende Praxis gegenüber Frauen aufgibt», erklärte er. Die Drohung wirkte: Kurz darauf änderte El Al die Vorschriften für das Kabinenpersonal. «In Zukunft wird jeder Passagier unverzüglich aus dem Flugzeug geschickt, der sich weigert, neben einem anderen Passagier zu sitzen», erklärte El Al-Chef Gonen Usishkin. Laut der Tageszeitung «Haaretz» hat die Boykottdrohung El Al in eine Zwickmühle gebracht: Sowohl die religiösen Fundamentalisten wie auch die Techindustrie seien Grosskunden von El Al.

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