Das Erstlingswerk «Blasmusikpop» der Österreicherin Vea Kaiser wurde fast nur von Frauen besprochen. © orf

Das Erstlingswerk «Blasmusikpop» der Österreicherin Vea Kaiser wurde fast nur von Frauen besprochen.

Im Feuilleton besprechen Männer Bücher von Männern

fs / 28. Aug 2018 - In der Literaturkritik gibt es viel zu wenig Frauen. Eine Folge: Werke von Autorinnen gelten als weniger wichtig.

Im Feuilleton von überregionalen deutschsprachigen Print-Zeitungen sind männliche Literatur-Kritiker massiv übervertreten. Das geht aus einer Analyse der österreichischen Germanistin Veronika Schuchter von der Universität Innsbruck hervor.

Stichprobe

Die Analyse hat Schuchter im Rahmen ihrer derzeitigen Forschungsarbeit zur Literaturkritik gemacht. Dafür untersucht sie für den Zeitraum der letzten 15 Jahre zehn überregionale Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften. Dazu gehören aus Deutschland die «Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)» und die «Süddeutsche Zeitung», aus der Schweiz die «Neue Zürcher Zeitung» und aus Österreich «Der Standard» und «Die Presse». Schuchter hat zu Beginn ihrer Forschungsarbeit für eine Stichprobe drei Jahre herausgenommen und jeweils drei Monate ausgezählt.

Weniger Kritikerinnen, weniger Autorinnen

Einige Ergebnisse der Stichprobe:

  • Nur ein Viertel der Rezensionen stammt von Frauen.
  • Und nur ein Viertel der besprochenen Werke ist von Autorinnen.
  • Männer besprechen kaum Bücher von Frauen (26 Prozent). Frauen hingegen besprechen fast zur Hälfte Bücher von Frauen (45 Prozent).
  • Erstlingswerke werden häufiger von Frauen besprochen. Erstlingswerke von Frauen besprechen fast nur Frauen. Erstlingswerke von Männern erhalten auch die Aufmerksamkeit von männlichen Kritikern.

«Spiegel der Gesellschaft»

Im Interview mit dem «Deutschlandfunk», sagte Schuchter, dass der Frauenanteil bei den ersten Werken zwar hoch sei. Doch nur wenige schafften die weiteren Schritte zur anerkannten Autorin, weil es zu wenig Kritikerinnen gebe. Schuchter: «Der Literaturbetrieb und auch die Literaturkritik sind ein gesellschaftlicher Mikrokosmos. Wir finden hier viele Formen und Mechanismen des Geschlechterverhältnisses, wie wir sie in der Gesellschaft auch finden: Unterrepräsentation von Frauen, Marginalisierung, die Zuweisung, ich sag mal, weiblicher und damit auch weniger prestigeträchtigerer Rollen. So sind weibliche Kritikerinnen etwa bei der Kinder- und Jugendliteratur überrepräsentiert, weil es ein weiblicher Bereich ist – die Erziehung von Kindern –, bei Texten anerkannter Autoren hingegen sind sie unterrepräsentiert. Das ist also ein Spiegel der Gesellschaft.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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