Sherin Khankan will den Islam modernisieren. © DR

Sherin Khankan will den Islam modernisieren.

Imaminnen sprechen erstmals Freitagsgebet

fs / 05. Sep 2016 - Predigerinnen sind im Islam keine Seltenheit. Die Mutigsten brechen nun mit patriarchalen Traditionen.

In Dänemark haben Ende August erstmals zwei Frauen in einer Moschee das Freitagsgebet gesprochen. In der islamischen Welt gilt das immer noch als Tabu-Bruch. Die beiden Imaminnen vertreten einen modernen Islam. Anfang dieses Jahres haben sie eine Frauen-Moschee eröffnet. Co-Gründerin Sherin Khankan: «Wir setzen uns für Gleichstellung von Frauen und Männern ein, ganz einfach.»

Keine Vorgabe im Koran

Laut der Religionssoziologin und Philosophin sagt der Koran nichts darüber, welches Geschlecht ein Imam haben soll. «Die meisten Imame in Europa sind momentan Männer. Das wollen wir verändern. Wir vertreten progressive islamische Werte und sind deshalb der Meinung, dass die patriarchalen Strukturen innerhalb religiöser Institutionen aufgeweicht werden müssen.» Dabei gehe es auch im Inhalte, sagte Khankan im «Guardian»: «Wir wollen die patriarchale Interpretation des Korans beenden.» Zur Frauen-Moschee haben auch Männer Zugang. Am Freitagsgebet dürfen sie jedoch vorerst nicht teilnehmen.

Seelsorge und Integration

Muslimische Predigerinnen gibt es in einigen Ländern wie China, Südafrika, USA, Kanada, Deutschland, Frankreich und in arabischen Ländern wie Marokko. Einen so radikalen emanzipatorischen Anspruch wie die Imaminnen in Dänemark haben die meisten jedoch nicht. Seelsorge und sozialer Zusammenhalt sind ihre wichtigsten Aufgaben. Bei Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Ereignissen sprechen sie die Gebete für die Frauen. Das traditionelle Freitagsgebet bleibt Männern vorbehalten.

Musliminnen haben oft auch keinen Zugang zu den Moscheen und müssen im privaten Rahmen beten. Wenn Sie in eine Moschee dürfen, ist der Raum für Frauen meist unattraktiv und klein. Dagegen gab es auch schon Proteste. Die erste Moschee nur für Frauen entstand vor rund dreihundert Jahren in China. In der Volksrepublik leben heute rund 20 Millionen Muslime.

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