Dorothea Schittenhelm spricht von einem «Schlag ins Gesicht der Gleichberechtigung». © RL

Dorothea Schittenhelm spricht von einem «Schlag ins Gesicht der Gleichberechtigung».

Islam-Vertreter: Der Mann hat das Sagen

fs / 04. Dez 2015 - Der Vorsitzende einer islamischen Religionsgemeinde in Österreich hat gesagt, in der Familie habe der Mann das letzte Wort. Politikerinnen sind empört.

Murat Baser ist Vorsitzender der islamischen Religionsgemeinde in Oberösterreich und Religionslehrer. In einem Interview mit dem «Neuen Volksblatt» hat er gesagt, es gebe Gleichberechtigung von Frau und Mann, aber jemand müsse letztendlich entscheiden. In einer Firma habe auch immer jemand das Sagen.

Mann ist «Hauptverantwortlicher»

Baser begründete den Vorrang des Mannes mit dem Willen Gottes. Im Islam müsse der Mann materiell für Frau und Kinder sorgen: «Der Mann ist Hauptverantwortlicher sozusagen. Es wird immer wieder kritisiert, wieso hat Gott keine einzige Frau als Prophet geschickt. Ganz logisch: Physisch und psychisch sind die Frauen eben schwach, und sie werden schwanger, und wenn sie allein sind, brauchen sie Schutz, sind in Gefahr.»

Gewalt gegen Frauen bagatellisiert

Gewalt gegen Frauen bagatellisiert Baser. Zur Sure im Koran, die Ehemännern rät, ungehorsame Frauen zu schlagen, sagt er, dass der arabische Begriff 'schlagen' auch andere Bedeutungen haben könne. Und: «Es gibt keine einzige Überlieferung, wo der Prophet eine Frau geschlagen hat. Viele Stellen im Koran fordern eine gute Behandlung der Frau. Es gibt auch Studien in Österreich, dass Männer ihre Frauen unterdrücken und schlagen.»

«Frauenfeindliche Grundbotschaft»

Politikerinnen der konservativen ÖVP kritisierten Baser scharf. Seine Aussagen seien «ein Schlag ins Gesicht der Gleichberechtigung und eine Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen». Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm: «Die Aussagen von Murat Baser sind in ihrer Grundbotschaft frauenfeindlich, negieren die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Österreich und versuchen, Gewalt gegen Frauen zu erklären. Das ist alarmierend, inakzeptabel und zutiefst abzulehnen.» Gewalt gegen Frauen sei eine Straftat und dürfe nicht verharmlost werden. Als Lehrer an einer österreichischen Schule müsse Murat Baser die österreichische Verfassung einhalten und deren Inhalt auch seinen Schülerinnen und Schülern weitergeben. Schittenhelm empfiehlt Murat Baser, eine «Werteschulung» zu besuchen.

«Völlig inakzeptabel»

Maria Buchmayr, Landessprecherin der Grünen, forderte eine Klarstellung durch die Islamische Glaubensgemeinschaft: «Diese frauenfeindlichen Aussagen sind völlig inakzeptabel. Man sollte Herrn Baser erinnern, dass wir im 21. Jahrhundert leben.» Sie wolle nicht daran denken, dass Baser diese Ansichten als Lehrer auch seinen Schülerinnen und Schülern vermittle.

Staatlich anerkannte Religion

Im Unterschied zu anderen westeuropäischen Ländern ist in Österreich der Islam seit 1912 staatlich anerkannte Religion. Mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) haben Musliminnen und Muslime eine vom Staat akzeptierte Interessenvertretung. Die IGGiÖ ist in acht Religionsgemeinden unterteilt. Murat Baser ist Vorsitzender der Religionsgemeinde Oberösterreich. Die IGGIÖ wird immer wieder kritisiert, fundamentalistische Muslime zu unterstützen oder sich nicht ausreichend von ihnen zu distanzieren.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Dass dieser Murat Baser eine koranische Sure anders übersetzt, bzw. deutet kann ihm m.E. nicht abgesprochen werden. Wenn er dies tut, ist dies ja keine «Bagatellisierung von Gewalt". Den Frauen in Österreich rate ich, auch vor der eigenen, christlichen Türe zu kehren: Die ganze Struktur der röm.-kath. Kirche ist frauenfeindlich und die theologischen Inhalte, welche die Berockten Brüder verbreiten, gehören in dieselbs Kategorie!
Esther Gisler Fischer, am 01. Januar 2016 um 11:59 Uhr

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