Katholikinnen wollen nicht mehr wie Maria schweigen müssen. © Maria2.0

Katholikinnen wollen nicht mehr wie Maria schweigen müssen.

Katholikinnen platzt der Kragen

fs / 07. Mär 2019 - Katholikinnen rufen Frauen auf, die Kirche zu bestreiken. Anlass sind die Missbrauchsfälle und die Ausgrenzung der Frauen.

In Deutschland sollen vom 11. bis 18. Mai Frauen keine Kirche betreten und auch nicht für sie arbeiten. Zum Streik aufgerufen haben Katholikinnen aus Münster. Der Streik soll zeigen, dass kirchliche Hierarchien und Strukturen Frauen buchstäblich draussen stehen lassen. Im Streikaufruf «Maria 2.0» heisst es: «Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird. Wir bleiben draussen! Wir feiern die Gottesdienste auf den Kirchplätzen, vor den Kirchentüren.» Sie hätten endlich etwas tun wollen, sagte Mitinitiatorin Elisabeth Kötter dem Internetportal der katholischen Kirche «katholisch.de»: «Wir hatten kein Vorbild, wir machen etwas, das es noch nicht gab.»

«Maria darf nur Schweigen»

Vor dem Sondergipfel im Februar zum Thema Missbrauch von Kindern veröffentlichten die Initiantinnen einen offenen Brief an Papst Franziskus und die Synode der Bischöfe. Darin heisst es: «Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche.» Die Unterzeichnerinnen fordern unter anderem, dass die Kirche in Missbrauchsfällen Täter anzeigt, und dass Frauen Zugang zu allen Ämtern erhalten. Kirchenmänner duldeten in ihrer Mitte mit Maria nur eine einzige Frau, heisst es: «Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir.»

Kirche verändern statt verlassen

Die Frauen aus Münster hoffen, dass sich bundesweit viele Frauen dem Streik anschliessen. «Wir glauben, dass die Struktur, die Missbrauch begünstigt und vertuscht auch die ist, die Frauen von Amt und Weihe und damit von grundsätzlichen Entscheidungen und Kontrollmöglichkeiten in der Kirche ausschliesst.» Es gehe darum, die Kirche zu verändern, statt sie zu verlassen, sagt Kötter: «Maria 2.0, das sind alle, denen ihre Kirche zu sehr am Herzen liegt, als dass der stillschweigende Austritt eine Alternative wäre.»

Aufruf zur Erneuerung

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) überreichte im März der Deutschen Bischofskonferenz einen Aufruf zur Erneuerung der Kirche, den fast 30'000 Personen unterzeichnet haben. Im Zentrum der Forderungen stehen die Aufklärung der Missbrauchsfälle und die kirchliche Sexualmoral. Der Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern gehört nicht zu den Forderungen im Aufruf.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Mir ist der Kragen schon lange geplatzt und ich bin ausgetreten. Sehr erstaunlich finde ich die Aussage von Frau Kötter «Wir hatten kein Vorbild, wir machen etwas, das es noch nicht gab.» Die Reformation ist doch schon eine Weile her und Frauen weltweit wehren sich schon seit langer Zeit gegen patriarchale Strukturen. Da gibt es sehr viele sehr gute Vorbilder. Schreiten Sie zur Tat, Frau Kötter!
Sarah Baechler, am 08. März 2019 um 09:15 Uhr

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