Erzbischöfin Antje Jackélen: «Gott ist mit unseren Geschlechterbestimmungen nicht zu erfassen.» © Boberger/Wikimedia Commons/cc

Erzbischöfin Antje Jackélen: «Gott ist mit unseren Geschlechterbestimmungen nicht zu erfassen.»

Kirche macht Rede von Gott geschlechtsneutraler

fs / 11. Jan 2018 - Eine evangelische Landeskirche hat beschlossen, Gott nicht mehr mit «Er» zu bezeichnen. Gott habe kein Geschlecht, heisst es zur Begründung.

In Schweden hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche beschlossen, dass Geistliche ab Pfingsten kommenden Jahres geschlechtsneutrale Begriffe verwenden sollen, wenn sie von Gott sprechen. Der Landeskirche gehören 6,1 Millionen Mitglieder und damit mehr als 60 Prozent der schwedischen Bevölkerung an.

«Herr» und «Vater» bleiben

Statt «Er» sollen Geistliche die geschlechtsneutralere Bezeichnung «Gott» verwenden. Weiterhin erlaubt sind die Bezeichnungen «Herr» und «Vater», sagte Videke Pedersen, Vorsitzende des zuständigen Gottesdienst-Komitees, gegenüber dem englischsprachigen schwedischen Nachrichtenportal «The Local»: «Jeder, der Gott Herr nennen möchte, kann sich beruhigen. Es ist immer noch an vielen Stellen im neuen Handbuch. Wir haben lediglich ‘Er‘ durch ‘Gott‘ ersetzt, das ist alles.» Grundsätzlich ermutige die Kirche ihre Geistlichen, eine «inklusivere» Sprache zu verwenden. Dabei sollen sie Gott grammatikalisch jedoch nicht mit dem Neutrum «es» bezeichnen.

«Gott ist kein Mensch»

Die neue Sprachregelung ist Teil des überarbeiteten Handbuchs für die Gestaltung von Gottesdiensten. Dieses macht Vorgaben für die Sprache der Predigten und den Ablauf der Gottesdienste. «Theologisch wissen wir, dass Gott mit unseren Geschlechterbestimmungen nicht zu erfassen ist», sagte Antje Jackélen, Erzbischöfin der Schwedischen Kirche der schwedischen Nachrichtenagentur TT News Agency. «Gott ist kein Mensch.»

Sprache zementiert Patriarchat

Ob der christliche Gott ein Geschlecht hat und falls ja, welches, ist immer wieder Anlass für theologische Debatten. Feministische Theologinnen kritisieren seit Jahren, dass der neutrale hebräische Gottesname «JHWH» als «Herr» übersetzt wird. Mit dieser Sprachregelung werde das Patriarchat zementiert. Die US-amerikanische Theologin Mary Daly schrieb bereits 1973: «So lange Gott ein Mann ist, ist das Männliche Gott.»

Bibel in gerechter Sprache

Im deutschsprachigen Raum ist vor über zehn Jahren die «Bibel in gerechter Sprache» erschienen. Darin wird von Gott sowohl in männlichen als auch in weiblichen Formen gesprochen. Gott heisst statt «Herr» etwa «die Ewige», «der Ewige», «die Lebendige», «der Lebendige», «Vater und Mutter», «Sie» und «Er». Die «Brüder» sind mit «Geschwister» und die Apostel mit «Apostelinnen und Apostel» übersetzt. Und aus dem «Heiligen Geist» ist die «Heilige Geistkraft» geworden.

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