Altes Werbefoto: Der Chef steht vor seinen Mitarbeiterinnen, die enge und kurze Kleider tragen. © promo
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Maulkorb für Frauenrechtsaktivistin

fs / 06. Mär 2017 - Ein Chef steht vor Mitarbeiterinnen, die kurze schwarze Kleider tragen: Dieses Werbefoto darf eine Frauenrechtsaktivistin nicht mehr mit Bordell-Werbung vergleichen.

Das Werbefoto einer Versicherungs-Agentur hat in Deutschland eine Kontroverse über die abgebildeten Frauen ausgelöst.

Vergleich mit Bordell-Werbung

Das Foto zeigt den Chef der Berliner Allianz-Agentur am Kurfürstendamm, der im Anzug vor den Mitarbeiterinnen steht. Diese tragen enge Kleider und hochhackige Schuhe. Frauenrechtsaktivistin Inge Bell hatte das Foto Anfang dieses Jahres auf Facebook geteilt. Dazu schrieb sie: «Ich musste stutzen, ob ich hier eine Werbung fürs Berliner Laufhaus 'Artemis' oder für die Berliner Allianz Generalvertretung sehe.» Artemis ist ein Grossbordell in Berlin. Auf Facebook teilten viele die Ansicht von Bell, dass das Foto frauenfeindlich ist.

«Für Frauen herabwertende Situation»

Die Allianz-Mitarbeiterinnen zeigten Bell, die für ihr Engagement gegen Menschenhandel 2012 das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, an. Bell stelle sie mit ihrem Kommentar «zweifelsfrei Prostituierten gleich». Das Landgericht München hat Bell nun per sofort untersagt, das Foto mit diesem oder ähnlichen Kommentaren weiter zu verbreiten. Bell sagte der Nachrichtenagenur dpa, sie halte das Foto für sexistisch, weil es die Frauen zur «Dekoration» herabwürdige. Es sei jedoch nie ihre Absicht gewesen, die Frauen persönlich zu beleidigen. «Ich verstehe nicht, dass sie diese für Frauen herabwertende Situation nicht erkennen.» Allianz-Sprecher Mario Ghiai sagte, man könne unterschiedlicher Auffassung sein, wie das Bild wirke. Aber die Äusserungen von Inge Bell gegenüber den Agentur-Mitarbeiterinnen seien verletzend. Die Agentur am Kurfürstendamm hat mittlerweile ein neues Foto

Neues Werbefoto: Der Chef steht neben seinen dezenter gekleideten Mitarbeiterinnen (@ promo).

veröffentlicht: Der Chef steht nicht mehr vor, sondern neben seinen Mitarbeiterinnen. Und diese tragen Blazer, Hosen und Kleider mit dunklen Strümpfen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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3 Meinungen

An diesem Beispiel kann sehr gut gesehen werden, wie subtil abwertende Darstellungen wirken können.Wer mit einem geschulten und sensibilisierten Auge darauf schaut, erkennt die Diskriminierung- für andere hingegen ist eine solche Darstellung völlig «normal"- normal im Sinne von gewohnt.Die rollenverfestigende Wirkung hat das Bild aber auch und gerade bei Betrachtern, die die Botschaft eher unbewusst wahrnehmen. Prima, dass darauf aufmerksam gemacht wird!
Monika Achtmann, am 06. März 2017 um 12:53 Uhr
gut getan frau bell!!! den genauen wortlauf ihrer aussage kenne ich nicht. jedenfalls hat sich der aufruf gelohnt.
monika müller
Monika Müller, am 06. März 2017 um 15:26 Uhr
Danke, liebe Frau Bell, für Ihre völlig korrekte Einschätzung der Geschlechter- und Machtverteilung auf dem unsäglichen Foto!
Ursula Stehlin, am 07. März 2017 um 16:45 Uhr

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