Ziel liberaler Musliminnen: Frauen und Männer beten gemeinsam. © IMI

Ziel liberaler Musliminnen: Frauen und Männer beten gemeinsam.

Mutige Musliminnen brechen Tabus

fs / 16. Nov 2016 - Musliminnen predigen vor Frauen und Männern, die nicht wie in traditionellen Moscheen räumlich getrennt voneinander beten. Konservative Muslime reagieren heftig.

In der Schweiz führt der Verein «Offene Moschee» gemeinschaftliche Gebete durch. Initiantinnen sind die Politologin Elham Manea und die Autorin Jasmin El-Sonbati. Die Zeit sei gekommen, die Geschlechtertrennung in den traditionellen Moscheen zu hinterfragen, sagt Manea.

Drohungen gegen Initiantinnen

Ein gemeinschaftliches Gebet fand erstmals im Frühjahr im Haus der Religionen in Bern statt. Es stand unter der Leitung von zwei Imaminnen. Die Predigt hielt Manea, berichtet das Portal «ref.ch». Sie machte die Diskriminierung der Musliminnen innerhalb der Glaubensgemeinschaft zum Thema. Sie könne nicht länger akzeptieren, dass viele eine Imamin als «Ding der Unmöglichkeit» bezeichnen. Sie vertrete einen Islam, in dem alle Platz haben. «Wir beten hier als Menschen, und nicht als Frauen. Wir beten zu einem Gott ohne Geschlecht.» Es habe heftige Reaktionen auf das gemeinschaftliche Gebet und Drohungen gegen sie persönlich gegeben, sagte Manea im «Blick». Sie lasse sich aber nicht entmutigen. Im Gegenteil: «Ich hoffe, dass wir eine richtige Bewegung auslösen und immer mehr werden. Damit die Gegner merken, dass sie uns nicht mehr stoppen können.»

«Vor Gott sind alle gleich»

In Basel fand kürzlich das zweite gemeinschaftliche Gebet statt und zwar in der «Offenen Kirche Elisabethen», die von einem ökumenischen Verein betrieben wird. Sie verstehe, dass viele Leute skeptisch seien, sagt Manea. Jede Veränderung mache Angst. «Veränderungen müssen aber trotzdem möglich sein. Und wir wollen ja nur zusammen beten. Schliesslich sind vor Gott alle gleich.»

Britisches Vorbild

Vorbild für die «Offene Moschee» ist die britische «Inclusive Mosque Initiative (IMI)». Diese zählt mittlerweile nach eigenen Angaben mehrere Tausend Anhängerinnen und Anhänger. Für das Freitagsgebet und andere Anlässe mietet sie Räume. Ziel ist eine eigene Moschee in London. Die Initiative versteht sich als Teil der muslimischen Gemeinschaft, obwohl sie von konservativen Muslimen heftig kritisiert wird.

Imaminnen predigen vor Frauen

In Dänemark haben im vergangenen Sommer erstmals zwei Frauen das Freitagsgebet gesprochen. Sie predigten allerdings nicht vor Frauen und Männern, sondern vor Frauen in einer Frauen-Moschee.

In Frankreich demonstrierten vor zwei Jahren Musliminnen dagegen, dass im Hauptgebetsraum der Grossen Moschee in Paris nur Männer beten dürfen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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