Männerrunde: Minister Sebastian Kurz (ÖVP) mit Mitgliedern der «Interreligiösen Dialogplattform». © BMEIA

Männerrunde: Minister Sebastian Kurz (ÖVP) mit Mitgliedern der «Interreligiösen Dialogplattform».

Nur Männer führen interreligiösen Dialog

fs / 02. Jul 2014 - In Österreich hat das erste Treffen der «Interreligiösen Dialogplattform» stattgefunden. Daran nahmen ausschliesslich Männer teil.

Die Vertreter aller in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften sollen Vorschläge für ein «besseres Zusammenleben» im Inland und für die Förderung der Religionsfreiheit auf internationaler Ebene erarbeiten. Dudu Kücükgöl, Vorstandsmitglied der«Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ)», bezeichnet die rein männliche Dialogplattform im «Standard» als ein «Armutszeugnis» für alle Religionsgemeinschaften.

«Sinnbild männlicher Hegemonie»

Die christlichen, islamischen, israelitischen, alevitischen und buddhistischen Glaubensgemeinschaft verdrängten und verleugneten die Hälfte ihrer Gläubigen. In diesen Glaubensgemeinschaften seien viele Frauen ehrenamtlich aktiv. Diese arbeiteten tagtäglich für ein besseres Zusammenleben aller Menschen in Österreich. Von leitenden Positionen und repräsentativen Rollen in ihren Glaubensgemeinschaften würden sie jedoch ferngehalten. Das rein männliche Gruppenfoto sei «ein Sinnbild der männlichen Hegemonie». Die abgebildeten Männer merkten nicht einmal, «dass sie ihre Gemeinschaften und Religionen veraltet aussehen lassen».

«Verstaubtes Image von Religionen»

Dudu Kücükgöl: «Ich wehre mich dagegen, dass Männer alleine Religionen repräsentieren dürfen, den Diskurs prägen und Frauen so einfach ausschliessen und verdrängen. Als Muslimin und Feministin, die sich für eine gleiche Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen einsetzt, wehre ich mich gegen das frauenfeindliche, verstaubte Image von Religionen, das die Männer uns zumuten. Wenn die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften überhaupt Interesse daran haben, auch nur annähernd zeitgemäss, sympathisch oder mehrheitsfähig zu wirken, müssen sie Frauen in die vorderste Reihe lassen und ihnen ihren Anteil an Repräsentation und Einfluss zugestehen.»

Kritik am Integrationsministerium

Dudu Kücükgöl kritisiert auch das Bundesministerium für Europa, Integration und Äusseres, das die «Interreligiöse Dialogplattform» initiiert hat. Das Ministerium hätte die Religionsgemeinschaften auf die fehlenden Frauen mindestens aufmerksam machen müssen. Dudu Kücükgöl erwartet, dass Frauen wenigstens in den geplanten Arbeitsgruppen ihre Anliegen und Meinungen einbringen können.

«Expertinnen» im Rat der Religionen

In der Schweiz war der «Schweizerische Rat der Religionen» anfänglich ein reines Männergremium. Ihm gehören Vertreter der drei christlichen Landeskirchen, der jüdischen Gemeinschaft, der christlich-orthodoxen Gemeinde und islamischer Organisationen an. In einem offenen Brief protestierten engagierte Christinnen, Jüdinnen und Musliminnen gegen den «Männerrat der Religionen». Darauf wurden drei Frauen als «Expertinnen» beigezogen. Zurzeit sind sieben Männer und zwei Frauen als «Expertinnen» im «Schweizerischen Rat der Religionen».

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Eine Meinung

Der Ärger der Frauen ist berechtigt. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen analog des «Rates der Religionen» in der CH, wie dies am Ende des Artikels auch erwähnt worden ist. Solange es wenige bis keine Amtsträgerinnen in den einzelnen Glaubensgemeinschaften gibt, solange werden nachträglich dann sog. «Expertinnen» von Männer Gnaden dazu geholt. Ein Tipp an alle an Interrel.Dialog interessierten Frauen: Wendet euch Alternativen zu, wie es in der CH der Interreligiöse Thinktank ist und lasst die Männer weiter unter sich für Gruppenphotos posieren: http://www.interrelthinktank.ch
Esther Gisler Fischer, am 09. August 2014 um 18:22 Uhr

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