Erzbischof J. Peter Sartain von Seattle: Soll Nonnen disziplinieren © AS

Erzbischof J. Peter Sartain von Seattle: Soll Nonnen disziplinieren

Papst Franziskus bestätigt Gängelung der US-Nonnen

Barbara Marti / 12. Mai 2013 - Drei Bischöfe sollen den grössten US-Dachverband von Nonnen definitiv auf Vatikan-Kurs bringen. Das bestätigt der neue Papst.

Der Nonnen-Dachverband «Leadership Conference of Women Religious» (LCWR), dem rund 80 Prozent aller 57'000 Nonnen in den USA angeschlossen sind, stehe unter feministischen Einflüssen, würde sich allzu sehr mit sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit befassen und nicht genügend unternehmen, um Abtreibungen zu verhindern. Der Verband befinde sich in einer «schweren Krise der Glaubenslehre». Diese Vorwürfe erhob letztes Jahr der Vatikan und beschloss, dass der Erzbischof von Seattle, J. Peter Sartain, und zwei Bischöfe die Dachorganisation ideologisch wieder auf Vatikan-Kurs bringen sollen. (Siehe Bericht vom 26.1.2013: «Diese Nonnen bieten dem Vatikan die Stirn»)

Die Nonnen-Organisation hat nun gehofft, dass der neue Papst, der selber einem Orden angehörte, mehr Verständnis für sie aufbringt und die Gängelung aufhebt. Vergeblich, denn kürzlich gab der Vatikan bekannt, dass Papst Franziskus am Entscheid seines Vorgängers festhält.

Nonnen wollen Vatikan die Stirn bieten

Der Nonnen-Dachverband hatte schon im letzten Juni beschlossen, dem Vatikan die Stirn zu bieten. Die Ordensfrauen würden «gewaltlosen Widerstand der besten Art» leisten, schrieb der «National Catholic Reporter».

Ihren Kritikern aus Rom erklärten sich die Nonnen in einer offiziellen Antwort zwar zum Dialog bereit, doch müsse dieser gleichberechtigt auf Augenhöhe stattfinden. Und was den Auftrag des Ordens angehe, solle ihnen der Vatikan nicht dreinreden.

Ein Dialog auf Augenhöhe biete dem LCWR eine gute Gelegenheit, um der Glaubenskongregation in Rom den Auftrag der Nonnen, ihre Werte und Arbeitsweise zu erläutern. Die Ordensfrauen wollen aber für die Kritik aus Rom nicht «unangemessene Zeit und Energie» verwenden oder sich von ihren eigentlichen Aufgaben abhalten lassen, heisst es in der Stellungnahme.

Anerkennung der Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen

Zum Auftrag der Nonnen gehöre seit jeher die Arbeit für Menschen in Not, aber auch der Einsatz für Reformen innerhalb der Kirche, sagte Pat Farrell, bisherige Vorsitzende der Dachorganisation. Falls der Vatikan die Nonnen in ihrem Auftrag einschränken wolle, werde die Dachorganisation beraten, ob sie sich von der Kirche lösen und als unabhängige Organisation weiter arbeiten wolle.

Auch mit dem Erzbischof von Seattle, der die Nonnen disziplinieren soll, wollen diese einen «respektvollen und ergebnisoffenen Dialog» führen.

Ziel müsse ein besseres gegenseitiges Verständnis und die Anerkennung der Frauen als gleichwertige Partnerinnen in der Kirche sein. Die US-Nonnen lebten ein religiöses Leben, das echt sei und nicht eingeschränkt werden dürfe, sagte Pat Farrell. Ihre Nachfolgerin Florence Deacon werde den Dialog in diesem Sinne führen.

Wenig Unterstützung von Frauenrechtsaktivistinnen in Europa

Zentrale Streitpunkte zwischen den Nonnen und dem Vatikan sei, was kirchliches Leben heisse und wie Führung in der Kirche funktionieren soll, schreibt der «National Catholic Reporter». Wie dieser Konflikt ausgetragen werde, sei nicht nur für die katholische Kirche in den USA richtungsweisend.

Die katholische Theologin Helen Schüngel-Straumann kritisiert, dass Frauenrechtsaktivistinnen aus Europa zu diesem «grössten aktuellen Skandal» in der katholischen Kirche überwiegend schwiegen. Helen Schüngel-Straumann: «Ich bin empört und rufe alle auf, sich mit diesen Schwestern gegen die römische Inquisition zu solidarisieren.»

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