«Nein zu Gender» sagt der Vatikan und sagen vielerorts auch Rechtspopulisten. © FranceTV

«Nein zu Gender» sagt der Vatikan und sagen vielerorts auch Rechtspopulisten.

Schulen sollen traditionelles Frauenbild propagieren

fs / 25. Jun 2019 - Die Schulen sollen traditionelle Geschlechterrollen und damit die traditionelle Familie lehren, fordert der Vatikan. Die Vorgabe stösst auch kirchenintern auf Kritik.

«Als Mann und Frau schuf er sie» lautet der Titel eines Schreibens der katholischen Kirche zur «Gendertheorie». Adressatinnen sind primär die Lehrkräfte an katholischen Schulen. Im Schreiben warnt die «Kongregation für das katholische Bildungswesen» vor einer «Gender-Ideologie», wonach Menschen ihr Geschlecht wie die Mode frei wählen und wechseln können. «In einer wachsenden Kontraposition von Natur und Kultur, sammeln sich die Vorschläge der Gendertheorie unter dem Überbegriff 'queer', welcher die Dimensionen der Sexualität als extrem flexibel, fliessend und, wenn man so will, nomadisch darstellt.» Es gehe darum, die «natürliche» Andersartigkeit von Mann und Frau «auszulöschen, indem man sie als historisch-kulturelle Konditionierung versteht». Das widerspreche der traditionellen Sichtweise von Mann, Frau und Familie.

Feindbild «Gender-Ideologie»

Wer diese «Gender-Ideologie» wie und wo vertritt, lässt das Vatikan-Schreiben offen. Es bezeichnet die gesamte Geschlechterforschung als «Ideologie», die «sich selbst als absolut und unfehlbar setzt und ihre Themen bis hinein in die Kindeserziehung diktiert». Eine faktenbasierte inhaltliche Auseinandersetzung findet nicht statt. Übrig bleiben Vorwürfe und Unterstellungen gegenüber der Geschlechterforschung und Vorurteile gegenüber Menschen, die nicht in die traditionelle Zweigeschlechtlichkeit von Frau und Mann passen.

«Autoren sind hereingefallen»

Margit Eckhold, katholische Theologin an der Universität Osnabrück, warf den Autoren im Nachrichtenportal des Vatikans vor, nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu sein. «Es herrscht Unkenntnis vor, auch ganz starke, aufgeheizte Stimmung im Blick auf diesen Genderbegriff.» Dieser beschreibe, dass das Mann- oder Frau-Sein nicht ausschliesslich von biologischen Bedingungen abhängt, sondern dass auch gesellschaftliche Vorstellungen und Erwartungen einen erheblichen Einfluss haben. Niemand behaupte, dass das Geschlecht einzig sozial-kulturell bestimmt sei. Die Autoren des Papiers seien auf das Gerede von einer Gender-Ideologie hereingefallen und hätten unzutreffende Vorwürfe erhoben. Mit dem Schreiben verkaufe sich die katholische Kirche «unter ihrem Niveau».

Heterosexuelle gegen traditionelle Geschlechterrollen

Mit der kleinen Minderheit der LGTBQ-Personen, die nicht in das traditionelle Geschlechterkonzept von Frau und Mann passen, erkläre der Vatikan die falschen zum Gegner, heisst es auf katholisch.de, dem Internetportal der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Es seien hauptsächlich heterosexuelle Frauen und Männer, die sich von traditionellen Geschlechterrollen und der klassischen Familie abwenden. Sie leben als Patchwork-Familien, Alleinerziehende oder Singles ein modernes Geschlechterverständnis.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Katholikinnen aus der Schweiz haben vor zwei Jahren zum Thema Gender und Religion die Comic-Broschüre «Let’s talk about Gender» herausgegeben. Darin klären sie Begriffe und widerlegen pauschale Behauptungen.

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Eine Meinung

Mein ganzes Leben habe ich mehr oder weniger damit verbracht aufzuzeigen, wie sich dieses traditionelle Frauenbild auf die Frau im Alltag als Menschenwesen auswirkt. Gerade der so gelobte Papst Franziskus hat vor kurzem zugegeben, dass mancherorts die Frau als zweitklassig eingestuft werde. Dass auch seine Kirche zu diesen mancherorts gehöre, hat er wohl nicht einsehen können. Und er war es der Europa mit einer Grossmutter die müde, alt unfruchtbar geworden und damit nicht mehr lebendig sei verglichen hat. So kommt es wenn man sich an das vom Vatikan zugeordnete traditionelle Frauenbild hält, frau wird noch mehr herabgewürdigt. Zudem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es meiner Mutter gar nicht möglich war nicht zum Erwerb beizutragen. Dies weil Lohn meines Vaters in der päpstlichen Nuntiatur zu gering war um eine Familie durchzubringen und jegliche soziale Absicherung fehlte. Meine Mutter konnte uns dank ihrem kleinen Lebensmittelladen, nach dem frühen Tod des Vaters bei sich behalten und durchbringen. Die Kirche täte gut daran einmal ihr eigenes Frauenbild zu überdenken, bevor sie versucht andere zu belehren und ihnen Vorschriften zu machen.
Martha Beéry, am 25. Juni 2019 um 15:09 Uhr

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