«Gender Equality Media» prangert verharmlosende und diskriminierende Sprache an. © GEM

«Gender Equality Media» prangert verharmlosende und diskriminierende Sprache an.

So zementieren Medien das Patriarchat

fs / 06. Dez 2018 - Sprache und Bilder in den Medien diskriminieren oft Frauen und verharmlosen häusliche Gewalt. Wiederholungstäter stehen jetzt mit Namen am Pranger.

Von «Sex-Sklavin» bis «Familiendrama»: Solche Schlagworte sind sexistisch und verharmlosen sexuelle Gewalt. «Gender Equality Media», ein Zusammenschluss von jungen Frauenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, will in Deutschland Medienleute sensibilisieren und Wiederholungstäter zur Verantwortung ziehen. Ziel ist ein Kulturwandel in den Medien.

Sex sells

Die jungen Aktivistinnen analysieren täglich 14 Print- und Onlinemedien auf sexistische Inhalte und Bilder. Die Boulevardzeitung «Bild» beispielsweise gilt als Wiederholungstäterin, die immer wieder Straftaten mit Sex in Verbindung bringt: Sex-Sklavin, Sex-Attacke, Sex-Mord, Sex-Gangster sind Beispiele. «Damit wird indirekt vermittelt, dass das sexuelle Verlangen des Täters im Vordergrund steht. Gleichzeitig wird die Gewalt, die das Opfer erfährt, nicht zur Sprache gebracht und wird somit zweitrangig», heisst es auf der Webseite von «Gender Equality Media».

Drama verschleiert Dimension

Wenn ein Mann seine Frau umbringt, ist oft statt von Mord oder Totschlag von Beziehungs- oder Familiendrama die Rede. In der «Bild» gibt es sogar eine Themenseite «Familien-Drama». Damit gibt man dem Opfer eine Mitschuld an der Tat. Das Wort «Drama» erzeuge zudem den Eindruck, dass es sich um einen traurigen Einzelfall handle, schreiben die Aktivistinnen. Dies verschleiere, dass in Deutschland fast jeden zweiten Tag eine Frau an den Folgen von Gewalt durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner stirbt. «Wenn jede zweite ermordete Frau in Deutschland durch die Hand ihres Partners stirbt, aber dies immer noch nicht zu einer Debatte über Femizid und Misogynie führt, ist dies auch auf die mediale Berichterstattung zurückzuführen.»

Männer bewerten Frauen

Kritik üben die Aktivistinnen auch an Berichten und Fotos, die Frauen sexualisieren und auf ihr Äusseres reduzieren. «Bild» kommentiere in Titeln auch einzelne Körperteile und zementiere damit den Blick auf Frauen als Sexobjekte. Für die Berichterstattung über Männer gelte dies nicht. Letztlich gehe es um Macht: «Männer bewerten, Frauen werden bewertet.»

Wiederholungstäter am Pranger

Seit einigen Jahren konfrontiert «Gender Equality Media» die «Bild»-Redaktion mit ihrer sexistischen Berichterstattung. Diese reagiere nur mit abfälligen Bemerkungen, Beleidigungen und fadenscheinigen Ausreden. Jetzt analysieren die Aktivistinnen weitere Medien. Fehlbare Journalisten weisen sie persönlich auf sexistische Texte und Bilder hin. Unbelehrbare Wiederholungstäter werden auf der Webseite mit Namen genannt. «Sie definieren wir als Verantwortliche, durch die sich das Patriarchat in Deutschland erhält.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Die IG Frau und Museum ist schon seit 2006 daran diese Zusammenhänge aufzuzeigen.
Weltweit arbeiten mehrere Frauenmuseen daran, die Bildersprache, aber auch die Nichtdarstellung von Frauen in der Geschichte aufzuzeigen. Gerade erst kürzlich an der Frauenmuseums-konferenz in Istanbul mit einer entsprechenden Ausstellung.
Ich habe mehrmals gegen Sendungen über die Darstellung oder nicht Darstellung von Frauenanliegen durch SRF geklagt, Nie wurde darüber ein Bericht geschrieben.
Ausserdem gibt es zur Zeit in Genf das Projekt DécadréE das eine diesbezügliche Campagne gestartet hat. Manchmal bekomme ich den Eindruck in FrauenSicht schaffen es nur Artikel, die es bereits in die Presse geschafft haben. Die Pressehürde, ist jedoch sehr hoch.... das wissen wir doch alle, Kritiken werden noch so gerne «unterschlagen". Wie wäre es wenn FrauenSicht sich auch mehr hierzulande umsieht, es tut sich meiner Ansicht nach vieles das einen Bericht wert wäre.
Martha Beéry, am 15. Dezember 2018 um 11:12 Uhr

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