Die kritisierte Talkshow «Im Zentrum» vom 12. April über die Verschärfungen im Sexualstrafrecht. © ORF

Die kritisierte Talkshow «Im Zentrum» vom 12. April über die Verschärfungen im Sexualstrafrecht.

Talkshow: Bühne für Antifeministen

bbm / 20. Mai 2015 - In Österreich kritisiert der Frauendachverband, dass der TV-Sender ORF Antifeministen eine Bühne bietet. Frauenfeindliche Positionen erhielten damit zu viel Gewicht.

Thema der kritisierten Talkshow «Im Zentrum» waren die geplanten Verschärfungen im Sexualstrafrecht. In einem offenen Brief an den ORF kritisiert der Österreichische Frauenring, dass der öffentlich-rechtliche TV-Sender bekannten Antifeministen eine Bühne bot.

Bühne für «krude Thesen»

Der konservative Politiker Marcus Franz sei «aufgrund seiner sexistischen und Gewalt verharmlosenden Aussagen» in die Sendung eingeladen worden und habe dort seine «kruden Thesen» ausbreiten können. Danach wollen Frauen erobert werden und Eroberung setze einen gewissen Widerstand voraus. «Starke Frauen brauchen kein Strafrecht, die können sich selbst wehren.» Auch Rechtsanwalt Manfred Ainedter habe nichts inhaltlich Relevantes beigetragen, heisst es im offenen Brief. Er sei hingegen mit der wiederholten Verharmlosung sexueller Übergriffe aufgefallen. Und er habe es geschafft, «mit seinem aggressiven Diskussionsstil die Runde zu dominieren».

«Muster im ORF»

Der Frauenring schreibt von einem «Muster, das wir im ORF seit langer Zeit beobachten»: Frauenpolitische Fragen würden sowohl in Nachrichten- als auch in Diskussionssendungen grösstenteils ausgeblendet. «Werden sie doch einmal zum Thema, so sind es die (medial allseits präsenten) antifeministischen Sager, die den Ton angeben.» Auf deren «niveaulose» Aussagen dürften Feministinnen höchstens reagieren. Es stelle sich die Frage der journalistischen Verantwortung im ORF, wenn der TV-Sender sexistische und frauenfeindliche Positionen «ins Zentrum» stelle und sie damit zu scheinbar relevanten Stimmen erhebe, die gehört werden müssen.

Beschwerde gegen «Hart aber fair»

In Deutschland hat die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros/Gleichstellungsstellen NRW Programmbeschwerde gegen eine Sendung von «Hart aber fair» in der öffentlich-rechtlichen ARD eingereicht. Die Talkshow lief Anfang März unter dem Titel «Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?». Die Auswahl der Gäste und die Fragen seien manipulativ gewesen, heisst es in der Beschwerde. «Ampelmännchen, Unisextoiletten und brünftige Hirsche wurden herausgestellt, um das gesamte Themenspektrum um Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik gezielt lächerlich zu machen.»

In der Schweiz hat Ende 2013 das Bundesgericht die Beschwerde einer Zuschauerin gegen eine Talkshow des Schweizer Fernsehens (SRF) über die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen abgewiesen. Die Beschwerdeführerin hatte kritisiert, dass keine Frau im zentralen «Arena»-Ring mitdiskutierte und unbezahlte Arbeit kein Thema war. Beides habe das «Sachgerechtigkeitsgebot» nicht verletzt, meinte das Höchstgericht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Offener Brief an den ORF
Programmbeschwerde gegen «Hart aber fair»

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Eine Meinung

In Bezug auf die Beschwerde von Martha Béery-Artho zur Arena-Sendung über das bedingungslose Grundeinkommen ist klar und deutlich festzuhalten, dass ihre Beschwerde erstinsatzlich bei der UBI, der unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio & Fernsehen gut geheissen worden war; -eich Achtungserfolg für das Anliegen! Anschliessend hat die SRG ihre Juristenabteilung mobilisert, um das Ganze doch noch abzuschmettern. Für mich war das Ganze ein Schmierentheater und ein Beweis mehr, dass die SRG und insbesondere das Fernsehen ihrem/seinem Auftrag einer öffentlich-rechtlichen Anstalt mit einem Auftrag als Service public nicht gerecht wird. Ein Grund mehr für mich, ihnen den Geldhahn zuzudrehen; am 14. Juni habe ich an der Urne die Gelegenheit dazu.
Esther Gisler Fischer, am 01. Juni 2015 um 11:46 Uhr

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