Tamedia-Verlag verpasst «Annabelle» einen Maulkorb

fs / 26. Apr 2013 - Die Schweizer Frauenzeitschrift engagierte sich für die Frauenquote. Nun darf «Annabelle» politisch nicht mehr Stellung nehmen.

Letzten Herbst hat die Frauenzeitschrift «Annabelle» eine Kampagne lanciert für eine zeitlich befristete Frauenquote von 30 Prozent in der operativen Unternehmensführung von Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitenden. Nun darf die «Annabelle» politisch nicht mehr Stellung nehmen. «Politische Kampagnen gehören nicht zu den Aufgaben unserer Medien», sagte Christoph Zimmer, Sprecher des Verlegers Tamedia gegenüber der «NZZ am Sonntag». Tamedia ist eines der grossen Medienunternehmen in der Schweiz und «Annabelle» die grösste Schweizer Frauenzeitschrift.

Tamedia-Chef Pietro Supino wollte letzten Herbst die Pro-Quote-Kampagne eigentlich stoppen, doch es war bereits zu spät. «Herr Supino hat unser Engagement für die Frauenquote nicht gerne gesehen», sagte die langjährige «Annabelle»-Chefredaktorin Lisa Feldmann. Sie hat Anfang dieses Jahres «aus privaten Gründen» gekündigt und ein Jobangebot in Deutschland angenommen.

Für diesen Wechsel sei auch das Politverbot des «Annabelle»-Verlegers ein Grund, heisst es aus dem Umfeld der «Annabelle»-Redaktion. Im letzten August hatte Feldmann gegenüber «persönlich.com» gesagt, dass sie gerne «noch möglichst lange» Chefredaktorin der «Annabelle» bleiben möchte. Sie könne die Frauenzeitschrift autonom gestalten und müsse die Covers «nicht einmal dem Verleger» zeigen.

Die Frauenzeitschrift «Annabelle» hat sich während ihres 74-jährigen Bestehens immer wieder für politische Anliegen eingesetzt, unter anderem für das Frauenstimmrecht und gegen Armeewaffen zu Hause. Die Pro-Quote-Kampagne vom letzten Herbst unterstützten 200 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Dazu gehörten auch Führungskräfte des Verlegers Tamedia-Medien. Lisa Feldmann sagt, die Kampagne für die Frauenquote sei ihr wichtig gewesen, sie verstehe sich aber nicht als politische Agitatorin. Ebenso wichtig wie der gesellschaftspolitische Bereich seien ihr die Bereiche Mode, Beauty und Lifestyle gewesen. «Ich bin nicht die Quoten-Queen, ich bin nicht die Mode-Tussi, sondern ich bin eine Journalistin, welche die gesamte Bandbreite der Frauenthemen möglichst gut und möglichst packend aufbereiten will.»

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