Lucetta Scaraffia, Ex-Chefredaktorin der vatikanischen Frauenzeitschrift. © fsc

Lucetta Scaraffia, Ex-Chefredaktorin der vatikanischen Frauenzeitschrift.

Vatikan bringt Frauenstimmen zum Schweigen

fs / 05. Apr 2019 - Die vatikanische Frauenzeitschrift prangerte Übergriffe auf Ordensfrauen und deren Ausbeutung an. Danach kam die Redaktion unter Druck.

Die Frauenzeitschrift «Donne Chiesa Mondo» ist eine monatliche Beilage des «Osservatore Romano», der offiziellen Tageszeitung des Vatikanstaates. Bis vor kurzem genoss sie grosse redaktionelle Freiheiten. Letztes Jahr hatte sie beispielsweise kritisiert, dass Kirchenmänner Ordensfrauen als billige Haushalthilfen ausbeuten. Im Februarheft dieses Jahres prangerte sie sexuelle Gewalt von Priestern und Ordensmännern gegenüber Nonnen an.

Verlust der Unabhängigkeit

Laut Chefredaktorin Lucetta Scaraffia ist die inhaltliche Freiheit durch eine Reorganisation der vatikanischen Medien und mit dem neuen Chefredaktor des «Osservatore Romano» unter Druck geraten. Andrea Monda sollte mit Amtsantritt Ende letzten Jahres auch die Leitung der Frauenzeitschrift übernehmen. Darauf drohte die Redaktion geschlossen mit Rücktritt. Katholische Wochenzeitungen, welche das Frauenmagazin ihren Publikationen beilegen, drohten mit Kündigung. Im «Guardian» sagte Scaraffia, es sei ein grosser Unterschied, ob eine Gruppe von Frauen autonom über Inhalte und Autorinnen entscheiden könne oder ob die Gruppe unter der Kontrolle eines Mannes stehe.

«Männer-Kontrolle» statt Meinungsfreiheit

Nachdem Monda das Frauenmagazin nicht übernehmen konnte, versuchte er, es indirekt auf Linie zu bringen. Er habe Scaraffia als «schwierige» Person diskreditiert und vatikantreue Autorinnen engagiert. Schliesslich gaben die elf Redaktorinnen dem Druck nach und traten kürzlich zurück. «Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens umgeben fühlen, in dem uns zunehmend die Legitimation abgesprochen wird», heisst es in einem offenen Brief an Papst Franziskus. Eine vitale Stimme werde zum Schweigen gebracht. «Man kehrt zu der antiquierten und unfruchtbaren Methode der Befehle von oben und der klerikalen Selbstbezogenheit zurück.» Im letzten Editorial, das im April erscheinen wird, kritisiert das Redaktionsteam diese «Männer-Kontrolle»: «Sie wählen linientreue Frauen aus und geben die Meinungsfreiheit auf, die Papst Franziskus immer wieder fordert.» In einer Erklärung wies Chefredaktor Monda alle Vorwürfe als unbegründet zurück. Er habe der Redaktion lediglich «Themen und Personen für eine eventuelle Mitarbeit» vorgeschlagen.

Weitere Rücktritte

Der Rücktritt des gesamten Redaktionsteams gilt als weiteres Symptom dafür, dass der Vatikan seine Medien enger kontrollieren will. Zuletzt sind Ende letzten Jahres Greg Burke und Paloma Garcia Ovejero, Direktor und die Vize-Direktorin der vatikanischen Kommunikationszentrale, nach nur zwei Jahren zurückgetreten. Ovejero war die erste Frau in diesem Amt.

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keine

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