Katholikinnen appellieren an den Papst, Frauen in Not nicht zu kriminalisieren. © KFB

Katholikinnen appellieren an den Papst, Frauen in Not nicht zu kriminalisieren.

«Wie lange wollen wir Frauen uns das noch gefallen lassen?»

fs / 08. Nov 2018 - Theologinnen kritisieren öffentlich Papst Franziskus. Sie werfen ihm vor, Frauen in Not allein zu lassen und zu kriminalisieren.

Papst Franziskus verglich Anfang Oktober einen Schwangerschaftsabbruch mit einem Auftragsmord. Mit dem Aufruf «Empört euch!» hat darauf die ökumenische Interessengemeinschaft Feministische Theologinnen Deutschschweiz und Liechtenstein (IG) reagiert.

«Schockierender» Vergleich

Die Theologinnen bezeichnen den Vergleich des Papstes als «schockierend». Im Klartext heisse das: «Frauen, die ein Kind abtreiben, sind Kriminelle, die einen Mord in Auftrag geben!» Bereits im Juni habe der Papst die Abtreibung behinderter Föten mit dem Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten verglichen. Damals sei der Empörungsschrei allerdings ausgeblieben.

Frauen in Not kriminalisiert

Männer, die an ungewollten Schwangerschaften beteiligt sind, seien für die Kirche kein Thema, schreiben die Theologinnen. Hingegen behandle sie Frauen wie Verbrecherinnen. Weil die Kirche Verhütungsmittel verbiete, müssten viele Frauen, die ungewollt schwanger werden, illegal abtreiben. Betroffen seien vor allem arme Frauen, die für einen Abbruch nicht ins Ausland reisen können. «Anstatt Frauen als Verbrecherinnen zu behandeln und ihnen zu unterstellen, dass sie leichtfertig und skrupellos Leben vernichten, sollte Frauen, die sich in einer existentiellen Notlage befinden, geholfen werden», heisst es im Aufruf.

Kirchenmänner bestimmen über den Körper der Frau

Doch der Papst nehme die konkrete Lebenswirklichkeit von Frauen weder wahr noch respektiere er sie. «Im Gegenteil: Weiterhin wird von klerikalen Kirchenmännern ganz selbstverständlich über den Körper und die Sexualität der Frau bestimmt, wird mit heiligem Furor am Körper der Frau ein Exempel statuiert, werden Frauen-Menschenrechte wie sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung auf allen Ebenen bekämpft, werden traditionelle Geschlechterrollen und konservative Familienwerte hochgehalten und Gender-Studies als dämonische Ideologie verteufelt. Wie lange wollen wir uns das als Frauen noch gefallen lassen? Empört euch!»

Kritik von katholischen Frauenverbänden

Auch der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) und der Katholische Deutsche Frauenbund kritisieren die Kriminalisierung von Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen. Barbara John, Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes Berlin, appellierte in einem offenen Brief an den Papst: «Frauen, die an eine Abtreibung denken, sind keine Verbrecherinnen, sondern Leidtragende. Sie befinden sich in einer ausweglosen Lage und brauchen Hilfe. Das kann auch eine Abtreibung sein. Das ist traurig, aber nicht verdammenswert.» In kurzer Zeit haben über 30'000 Personen den Appell unterzeichnet.

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