Demonstration der Frauenmarsch-Bewegung in Washington. © ZDF

Demonstration der Frauenmarsch-Bewegung in Washington.

Medien ignorieren Demonstrationen für Frauenrechte

fs / 02. Feb 2018 - Ende Januar demonstrierten Hunderttausende für Frauenrechte. Für die meisten Medien war dies kein Thema.

In den USA gingen in Los Angeles 600'000, in Chicago 300'000, in New York 200'000 Personen auf die Strasse. Auch in anderen US-Städten und in Europa nahmen Tausende an «Frauenmärschen» teil. Sie ermunterten Frauen, sich politisch als Wählerinnen oder Kandidatinnen zu engagieren, und übten Kritik an der frauenfeindlichen Politik der Trump-Regierung.

«Unterschätzte politische Bewegung»

Trotzdem ignorierten die grossen US-TV-Sender die Demonstrationen weitgehend. Die Frauenmärsche seien eine der am meisten unterschätzten und ignorierten politischen Bewegungen in der modernen US-Geschichte, sagte der Politologe Matt McDermott der «Washington Post». Die Medien fokussierten zurzeit auf die «zornigen weissen Männer», die Trump unterstützen. Frauenanliegen seien allerdings schon vor dessen Wahl für die Medien oft zweitrangig gewesen.

Einfluss auf kommende Wahlen

Kommentare vergleichen die Frauenmarsch- mit der reaktionären Tea-Party-Bewegung. Diese erhalte viel mehr Aufmerksamkeit in den US-Medien, obwohl sie weniger Menschen mobilisieren könne, schreibt der «New Yorker». Grund dafür sei, dass die republikanische Partei in den letzten Jahren auf Druck der Tea-Party-Bewegung nach rechts gerückt und damit Wahlen gewonnen habe. Einen ähnlichen Einfluss könne jetzt die grosse und aktive Frauenmarsch-Bewegung auf die Demokratische Partei und die kommenden Wahlen haben. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: Bei den Wahlen im vergangenen Herbst kandidierten so viele Frauen wie seit langem nicht mehr. Und viele Kandidatinnen, überwiegend der demokratischen Partei, waren erfolgreich.

Europäische Medien ignorieren die Frauenmarsch-Bewegung auch weitgehend. Beispielhaft ist der Beitrag des ZDF-heute Journals zu einem Jahr Trump-Regierung. Erst ganz am Schluss wies der Journalist auf hunderttausende «Trump-Gegner» hin, die im ganzen Land gegen die Regierung demonstrierten. Dass es sich dabei um einen «Frauenmarsch» handelte, verschwieg er.

Vom Frauenmarsch zur politischen Bewegung

Nach der Vereidigung von Donald Trump Anfang letzten Jahres hatten in Washington Hunderttausende an einem «Frauenmarsch» für Frauenrechte demonstriert. Weitere «Frauenmärsche» folgten am internationalen Frauentag im März und im Juli. Aktivistinnen haben sich seither landesweit in tausenden Gruppen organisiert. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene entsteht daraus nun eine politische Bewegung. Im Herbst haben sich die Aktivistinnen an einer Frauenkonferenz zu inhaltlichen Diskussionen getroffen.

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Eine Meinung

So wie ich es sehe und auch erfahre, ist das bei praktisch allen Medien so. Politisches Engagement von Frauen in einer Bewegung darf nicht «erfolgreich» werden.
Meine diesbezüglichen Beanstandungen und Beschwerden auch bei SRF haben inzwischen ein «bisschen» zu einer Verbesserung beigetragen, es könnte jedoch noch viel besser werden. Dass wir allerdings bei Sendern, die nicht über einen «Billagbeitrag» finanziert sind, keine Möglichkeiten hätten, einen geschlechtergerechten Service Publik zu fordern, lässt mich nachdenklich werden. Ich denke wir sollten das «Service Publik Heft» nicht an einen Meistbietenden verschachern. Sonst sind amerikanische Zustände auch nicht mehr weit.
Martha Beéry, am 02. Februar 2018 um 10:28 Uhr

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