Mahdieh Golroo war zwei Monate in Einzelhaft, weil sie gegen Säurattacken auf Frauen protestierte. © GV

Mahdieh Golroo war zwei Monate in Einzelhaft, weil sie gegen Säurattacken auf Frauen protestierte.

Frauenrechtsaktivistinnen aus Haft entlassen

bbm / 13. Feb 2015 - Im Iran und in Saudiarabien sind zwei bekannte Aktivistinnen frei gekommen. Sie waren inhaftiert, weil sie sich für Frauenrechte engagierten.

Im Iran wurde Mahdieh Golroo gegen eine Kaution von umgerechnet 175'000 Euro (184'000 Franken) aus dem Gefängnis entlassen. Die bald 30-Jährige gilt als eine der mutigsten Frauenrechts- und Studentenaktivistinnen im Iran. Sie nahm im Oktober an einem Sitzstreik vor der Anwaltskammer in Teheran teil und wurde dort verhaftet. Ein Grund für den Protest war, dass die Behörden Säureattacken auf Frauen in Isfahan als private Rachetaten und nicht als Angriffe auf Frauen bezeichneten. Die Säureattacken auf offener Strasse hatten landesweit Proteste und Kampagnen in den sozialen Medien ausgelöst.

Frauen zum Schweigen bringen

Mahdieh Golroo war 45 Tage in Einzelhaft im berüchtigten Gefängnis Evin in Teheran, das für die Folterung politischer Gefangener bekannt ist. Die Aktivistin war bereits früher über zwei Jahre in Haft, unter anderem wegen «Propaganda gegen das Regime». Gissou Nia, stellvertretende Direktorin der US-Menschenrechtsorganisation «International Campaign for Human Rights in Iran», sagte «Global Voices», dass die Behörden mit der Verhaftung von Golroo Frauen einschüchtern wollten. Mahdieh Golroo sei zwar jetzt wieder frei, aber nur bis zum Prozess. Die iranischen Behörden wollten Frauen zum Schweigen bringen, die mutig genug seien, die frauenfeindliche Politik im Iran öffentlich zu kritisieren.

Drei Monaten Haft ohne Anklage

In Saudiarabien ist die Frauenrechtsaktivistin Souad al-Shammari nach drei Monaten Haft ohne Anklage freigekommen. Laut Amnesty International ist unklar, ob sie zu denjenigen Inhaftierten gehört, die der neue König begnadigt hat. Nach Angaben ihrer Tochter musste Souad al-Shammari schriftlich zusichern, ihr frauenrechtliches Engagement zu «reduzieren». Souad al-Shammari ist landesweit bekannt, weil sie das System der männlichen Vormundschaft über Frauen anprangert. In Saudiarabien haben Frauen deshalb kaum eigene Entscheidungsgewalt. Souad al-Shammari nahm auch an Kampagnen gegen das Fahrverbot für Frauen teil. Und sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Blogs «Liberales Netzwerk». Einer der Gründer, Raif Badawi, wurde unter anderem zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt. Dieses Urteil hat weltweit Empörung ausgelöst.

Aktivistinnen gelten als Terroristinnen

In Saudiarabien inhaftiert bleiben Loujain al-Hathloul und Maysa al-Amoudi. Die beiden jungen Frauenrechtsaktivistinnen waren im November verhaftet worden. Al-Hathloul wollte von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Saudiarabien fahren, wo Frauen nicht Auto fahren dürfen. Sie filmte sich dabei und verbreitete die Aufnahmen über die sozialen Medien. Al-Amoudi unterstützte sie. Sie hatte zuvor auf YouTube eine Sendung über das Fahrverbot für Frauen moderiert. An der Grenze wurden die beiden Aktivistinnen verhaftet. Sie sind als Terroristinnen vor einem Sondergericht angeklagt. Grund dafür sind laut Menschenrechtsorganisationen die Onlineaktivitäten der beiden Frauen. Die saudischen Behörden befürchteten, dass die öffentliche Kritik am Fahrverbot für Frauen ihre Autorität untergraben könnte.

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keine

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