Intellektuelle fordern mit einer Petition, Professorin Homa Hoodfar sofort frei zu lassen. © ff

Intellektuelle fordern mit einer Petition, Professorin Homa Hoodfar sofort frei zu lassen.

Iran wirft Professorin «feministische Verschwörung» vor

fs / 14. Jul 2016 - Im Iran ist eine Genderforscherin verhaftet worden. Die iranisch-kanadische Professorin erforscht die Rechte von Musliminnen.

Homa Hoodfar ist Anfang dieses Jahres für private Besuche und Recherchen für eine Studie über Frauen in der iranischen Politik in den Iran gereist. Reformorientierte Medien nutzten die Gelegenheit, um die emeritierte Professorin einer Universität in Montreal zu interviewen. Kurz vor der geplanten Rückreise nach Kanada konfiszierten die Behörden ihren Reisepass, Laptop und Mobiltelefon.

Wiederholt verhört

In den folgenden Wochen verhörte der Geheimdienst die 65-Jährige wiederholt. Laut Amnesty International wurde sie gefragt, ob sie Feministin sei und wie sie Feminismus definiere. Anfang Juni wurde Homa Hoodfar verhaftet. Laut iranischen Medien soll sie wegen «feministischer Verschwörung gegen die Iranische Republik» angeklagt werden. Die Anthropologin forscht über Rechte und Organisationen von Musliminnen in muslimischen und westlichen Ländern. Sie gehört dem internationalen Forscherinnen-Netzwerk «Frauen unter islamischem Recht» an. Das sei ihr wohl zum Verhängnis geworden, sagte der Soziologe und Exil-Iraner Kaveh Ehsani gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Iranische Fundamentalisten würden dem Netzwerk der Forscherinnen eine «feministische Verschwörung» vorwerfen.

Frauenrechtsaktivistinnen drangsaliert

Homa Hoodfar ist kein Einzelfall. Der Iran drangsaliert seit Jahrzehnten Frauen, die sich für Frauenrechte engagieren. Viele müssen deswegen ins Gefängnis. So auch die Karikaturistin Atena Farghadani. Die 29-Jährige hatte Parlamentarier bei der Abstimmung über ein frauenfeindliches Gesetz karikiert und die Karikatur vor zwei Jahren auf Facebook veröffentlicht. Wegen Beleidigung und Propaganda gegen den Staat wurde sie zu dreizehn Jahren Haft verurteilt. In diesem Frühjahr wurde ihre Strafe auf 18 Monate verkürzt. Kurz darauf kam Atena Farghadani auf Bewährung frei.

Schläge und Jungfräulichkeitstest

In der Haft war die 29-Jährige geschlagen worden und musste einen Jungfräulichkeitstest erdulden. Sie trat in den Hungerstreik und erlitt nach Angaben ihres Anwaltes einen Herzinfarkt. Karikaturist Gabin Aung Thang sagte gegenüber dem «Independent», Farghadani habe nicht für ein renommiertes Medium gearbeitet, sondern die Karikatur bloss auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Auf Facebook würden Tausende Hassbotschaften veröffentlichen, ohne dass sie mit Konsequenzen rechnen müssten. Die hohe Strafe gegen Farghadani und die Misshandlungen im Gefängnis seien «extrem empörend».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Mit der Petition «Free Homa» fordern Intellektuelle aus aller Welt, Homa Hoodfar sofort und bedingungslos frei zu lassen. Die Petition kann weiter unterzeichnet werden.

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Eine Meinung

Solange die 52 islamischen Staaten ihre eigene, auf die Scharia aufgebaute Menschenrechtskonvention haben, und diese bei der UNO akzeptiert ist, wird sich in der islamischen Welt in Sachen Frauenrecht nichts ändern, leider!
Beatrice van Altena, am 21. September 2016 um 16:48 Uhr

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