Demonstration für Frauenrechte mit einer 620 Kilometer langen Menschenkette durch Kerala. © care2

Demonstration für Frauenrechte mit einer 620 Kilometer langen Menschenkette durch Kerala.

Regierung bekämpft gemeinsam mit Frauen Fundamentalisten

fs / 10. Jan 2019 - Vielerorts unvorstellbar: In Indien unterstützte eine Regionalregierung eine beispiellose Massendemonstration für Frauenrechte.

Mit einer rund 620 Kilometer langen Menschenkette haben Anfang dieses Jahres Hunderttausende im südindischen Staat Kerala gegen fundamentalistische Hindus demonstriert. Zur Demonstration aufgerufen hatten Frauenrechtsaktivistinnen und die kommunistische Partei, die in Kerala regiert. Sie sprach von fast sechs Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Fundamentalisten ignorieren Gerichtsurteil

Hinduistische Fundamentalisten verbieten Frauen im gebärfähigen Alter weiterhin den Zutritt zu einem der heiligsten Pilgerorte für Hindus, obwohl im Herbst das Oberste Gericht Indiens nach jahrelangem Rechtsstreit dieses Verbot gekippt hatte. Es galt während Jahrzehnten informell und war seit 1972 Gesetz.

Unter Polizeischutz in den Tempel

Nach dem Urteil versuchten Aktivistinnen immer wieder, zu dem auf einem Berg gelegenen Sabarimala-Tempel für den Gott Ayyappan zu gelangen. Sie scheiterten an der gewaltsamen Gegenwehr von Fundamentalisten und Priestern. Doch kurz nach der Massendemonstration gelang es zwei Frauen mit Unterstützung der Polizei, nachts heimlich in den Tempel zu kommen. Danach schloss der oberste Priester den Tempel, um ein «Reinigungsritual» vorzunehmen. Im ganzen Bundesstaat kam es zu gewaltsamen Protesten der Fundamentalisten. Sie kritisierten, dass die Regionalregierung die Frauen unterstützte.

Gericht soll Urteil überprüfen

Die hinduistisch-nationalistische Bharatiya Janata Partei (BJP) des indischen Premierministers Narendra Modi hatte das Urteil des Obersten Gerichtes im Herbst zunächst begrüsst. Mittlerweile ist sie umgeschwenkt und hat zusammen mit fundamentalistischen Hindus beim Obersten Gericht eine Petition eingereicht, berichtet die Nachrichtenagentur «Press Trust of India (PTI)». Diese verlangt, das Urteil vom Herbst zu überprüfen. Das Gericht habe die traditionelle Überzeugung ignoriert, wonach Ayyappan ein Gelübde abgelegt hat, weltlichen Verführungen zu entsagen. Ende Januar wird eine Anhörung stattfinden. Das Umschwenken der Regierungspartei BJP führen indische Medien darauf zurück, dass in diesem Jahr nationale Parlamentswahlen stattfinden werden.

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