Barbara Gysel (SP) kandidiert im Kanton Zug für einen Sitz in der Kantonsregierung. © BG

Barbara Gysel (SP) kandidiert im Kanton Zug für einen Sitz in der Kantonsregierung.

«Eine reine Männerregierung darf es nicht geben»

fs / 19. Jun 2018 - In der Schweiz hat bereits der vierte Kanton keine Frau mehr in der Regierung. Jetzt reagieren Politikerinnen.

Seit den Regierungsratswahlen vom Juni hat der Kanton Graubünden keine Frau mehr in der Regierung. Das war keine Überraschung: Für Barbara Janom Steiner (BDP), die aufgrund der Amtszeitbeschränkung für Regierungsmitglieder nicht mehr antrat, hatten ausnahmslos Männer kandidiert. Im Kanton Graubünden haben Frauen damit nur 20 Jahre lang mitregiert.

Männergremien

Nach den Kantonen Luzern, Tessin und Appenzell Ausserrhoden ist Graubünden der vierte Kanton, der von einem reinen Männergremium regiert wird. Wie in den Kantonen Tessin und Appenzell Ausserrhoden konnte eine bürgerliche Partei nach dem Rücktritt ihrer Regierungsrätin keine Frau für eine Kandidatur motivieren. Im Kanton Luzern verlor vor drei Jahren Felicitas Zopfi (SP) im zweiten Wahlgang gegen zwei Männer.

Kampfkandidaturen von Frauen

Im Herbst könnte mit dem Kanton Zug eine weitere Kantonsregierung zum Männergremium werden. Die einzige Frau in der Regierung, die grüne Manuela Weichelt-Picard, hat im Frühjahr überraschend ihren Rücktritt erklärt. Ihre Partei nominierte für die Nachfolge einen Mann. Darauf hat Barbara Gysel (SP), Miglied des Kantonsparlamentes und Präsidentin der SP Kanton Zug, ihre Kandidatur erklärt: «Eine reine Männerregierung wie in Luzern – das darf nicht passieren!» Die SP ist zurzeit nicht in der Regierung. Auch Silvia Thalmann (CVP), die neben den zwei bisherigen CVP-Regierungsräten als Kampfkandidatin für die CVP einen dritten Sitz erobern will, argumentiert mit der Frauenvertretung: «Es geht nicht, dass die Zuger Bevölkerung keine Möglichkeit hat, eine Frau auf die Wahlliste für die Regierung zu setzen.»

Milizsystem in Frage stellen

Laut Doris Fiala, FDP-Frauen-Präsidentin, ist es für Frauen oft nicht möglich, Beruf, Familie und auch noch Politik zu vereinbaren. Man müsse deshalb «unverkrampft und ehrlich» über das Milizsystem diskutieren, das immer noch eine «heilige Kuh» sei, sagte sie der «Neuen Zürcher Zeitung». Simone Curau-Aepli, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF) und ehemalige CVP-Politikerin, sieht einen Grund für den Rückgang des Frauenanteils bei Regierungswahlen im Wahlsystem: «Bei Majorzwahlen tun sich Frauen generell sehr schwer.» Die EKF hat im Frühjahr Parteien und Frauen aufgerufen, sich für politische Parität zu engagieren. «Halbe-halbe» müsse das Ziel sein.

Schweizweit liegt der Frauenanteil in den Kantonsregierungen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik bei knapp einem Viertel (Stand Mai 2018). Einzig in den Kantonen Thurgau und Waadt gibt es zurzeit eine Frauenmehrheit.

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