Neujahrsansprache von Simonetta Sommaruga: In der Bäckerei statt im Krankenhaus. © srf

Neujahrsansprache von Simonetta Sommaruga: In der Bäckerei statt im Krankenhaus.

Das «Jahr der Pflegenden» machte keine Schlagzeilen

fs / 23. Apr 2020 - Noch Anfang dieses Jahres interessierte sich kaum jemand für die Krankenpflegerinnen. Am 12. Mai, dem Tag der Pflege, können Politik und Medien Verpasstes nachholen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat letztes Jahr, also noch vor der Corona-Pandemie, das Jahr 2020 zum weltweiten Jahr der professionell Pflegenden und Hebammen erklärt. Diese beiden Gesundheitsberufe seien «unschätzbar wertvoll für die Gesundheit der Bevölkerung». Das Internationale Jahr der Pflegenden und Hebammen soll die «enormen Leistungen» von Pflegefachpersonen und Hebammen sichtbar und auf den Mangel in diesen lebenswichtigen Berufen aufmerksam machen.

Kein Thema für Politik

Die WHO forderte alle Staatsoberhäupter schriftlich auf, bereits in den Neujahrsansprachen die professionelle Pflege zu würdigen. Der Aufruf verhallte im deutschsprachigen Raum weitgehend ungehört:

In Deutschland sprach Angela Merkel (CDU) über 30 Jahre Wiedervereinigung, den digitalen Wandel, den Klimaschutz und Europa. Immerhin äusserte sie in einem halben Satz ihre Wertschätzung für diejenigen, «die zum Beispiel in der Pflege für andere Menschen und mit anderen Menschen arbeiten».

In der Schweiz sprach Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (SP) in «ihrer» Bäckerei: «Meine Bäckerei lebt jeden Tag vor, wie man das Leben auch für die anderen gut machen kann», sagte sie. Das hätte sie auch in einem Krankenhaus über Pflegende sagen können. Doch diese waren in ihrer Ansprache kein Thema.

In Österreich sprach Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Grüne) viele Themen an wie Klimawandel, Digitalisierung, Migration, Frauenrechte, Bildung und Europa, aber nicht die Pflege.

12. Mai: Internationaler Tag der Pflege

Auch für die meisten Medien war das Internationale Jahr der Pflegenden und Hebammen bisher kein Thema. Doch nun hat die Corona-Pandemie allen vor Augen geführt, wie wichtig und unverzichtbar ihre Arbeit ist. In einigen Ländern ist schon von einem Bonus die Rede, welche sie für ihre Leistungen erhalten sollen. Das ist gut so. Doch wichtiger wäre es, sie für ihre systemrelevante Tätigkeit endlich besser zu bezahlen, für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen und den gut Ausgebildeten Karrieremöglichkeiten zu schaffen. Das käme letztlich nicht nur den Pflegenden, sondern uns allen zugute. Der 12. Mai ist wie jedes Jahr der Internationale Tag der Pflege. Es ist der Geburtstag der britischen Krankenschwester und Statistikerin Florence Nightingale, die als Begründerin der professionellen Krankenpflege gilt. In diesem Jahr wäre ihr 200. Geburtstag. Er ist Gelegenheit für Politik und Medien, Verpasstes nachzuholen und die Arbeit der Pflegenden mit Worten und Taten zu würdigen.

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