Die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre ist unter Frauen umstritten. © srf

Die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre ist unter Frauen umstritten.

Höheres Rentenalter spaltet Frauenorganisationen

fs / 24. Mär 2017 - In der Schweiz wird das Volk über die Erhöhung des Frauenrentenalters entscheiden. Ob die Frauen zustimmen werden, ist offen.

Das Parlament hat nach jahrelangem Ringen einer Rentenreform zugestimmt. Diese sieht unter anderem vor, das Frauenrentenalter von 64 auf 65 Jahre zu erhöhen und damit dem Rentenalter der Männer anzugleichen. Neue Rentnerinnen und Rentner sollen monatlich 70 Franken (65 Euro) mehr Rente der AHV (Alters- und Hinterbliebenenversicherung, 1. Säule) erhalten, um tiefere Renten in der beruflichen Vorsorge (2. Säule) zu kompensieren. Im Herbst wird es zur Volksabstimmung kommen.

Gespaltene Frauenorganisationen

Frauenorganisationen sind gespalten. Im Zentrum der Kontroverse steht die Frage, zu welchem Preis das Rentenalter der Frauen auf 65 Jahre erhöht werden soll.

  • Der Schweizerische Verband für Frauenrechte (SVF) lehnt die Erhöhung des Frauenrentenalters grundsätzlich ab. Der Verband könne einer Erhöhung des Frauenrentenalters erst zustimmen, wenn die Lohn- und Chancengleichheit verwirklicht sei, sagte Präsidentin Josiane Greub gegenüber «24heures».
  • Bei Alliance F, dem Dachverband der Frauenorganisationen, sind die Co-Präsidentinnen uneinig. Maya Graf (Grüne) unterstützt den Parlamentsvorschlag. Die Rentenerhöhung in der AHV komme vielen Frauen zugute, die kein oder kein grosses Guthaben der beruflichen Vorsorge haben. Die andere Co-Präsidentin Kathrin Bertschy (Grünliberale) lehnt die Erhöhung der AHV-Rente ab. Das sei eine Umverteilung «mit der Giesskanne», die das Ein-Ernährer-Modell zementiere. Bertschy bevorzugt den Ausbau der beruflichen Vorsorge.

Gespaltene bürgerliche Frauen

  • Die CVP-Frauen Schweiz wollen der Reform zustimmen. Die 70 Franken Rentenerhöhung seien «besser als nichts», sagte Präsidentin Babette Sigg Frank gegenüber dem Finanz- und Wirtschaftsportal cash.ch. Wenn die Reform scheitere, müsse man wieder bei Null beginnen. Die Lohngleichheit sei zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht zu erreichen.
  • Die FDP-Frauen Schweiz lehnen die Rentenerhöhung um 70 Franken ab. Diese komme allen und nicht nur den Frauen zugute, sagt Claudine Esseiva, Generalsekretärin der FDP-Frauen. Damit würden Milliarden «aus dem Fenster geworfen». Über ihre Abstimmungsparole haben die FDP-Frauen noch nicht entschieden.

Gespaltene linke Frauen

  • Die SP-Frauen entscheiden am 25. März. «Aus Realismus» unterstütze sie die Reform, sagt Co-Präsidentin Cesla Amarelle. Ob die Basis zustimmen werde, sei völlig offen. Der Unmut der Frauen sei gross, da sie seit zwei Jahrzehnten vergeblich auf politische Massnahmen zur Lohngleichheit warteten. Im Parlament stimmten die SP-Parlamentarierinnen geschlossen für die Reform.
  • Die grossen Gewerkschaften Unia und VPOD haben knapp für die AHV-Reform gestimmt. Doch ihre Frauenkommissionen und Sektionen aus der Westschweiz lehnen sie wegen der Erhöhung des Frauenrentenalters ab. Michela Bovolenta, VPOD-Zentralsekretärin in Lausanne, meint, die Ablehnung der Reform werde die Position der Linken für einen neuen Reformvorschlag stärken. Doch darüber gehen die Meinungen in der Linken weit auseinander. SP-Nationalrätin Mattea Meyer sagte in der «Wochenzeitung», dass bei einem Scheitern der Reform der Druck steigen werde, die AHV radikal zu sanieren. «Dann drohen Rentenkürzungen und eine Rentenaltererhöhung für alle auf 67.» Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) entscheidet am 24. März an einer Delegiertenversammlung über die Reform.

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