Katie Hill während ihrer letzten Rede vor dem Parlament. © PBS

Katie Hill während ihrer letzten Rede vor dem Parlament.

«Ich gehe wegen einer frauenfeindlichen Kultur»

fs / 25. Nov 2019 - Männer wie Donald Trump kommen trotz Fehlverhaltens in Top-Positionen, Frauen nicht. Eine Betroffene kritisierte diese Doppelmoral im US-Parlament.

Die Demokratin Katie Hill hat in einer bemerkenswerten Rede vor dem US-Parlament eine frauenfeindliche Kultur angeprangert, die insbesondere junge Frauen von einer politischen Karriere abschreckt. Es brauche jetzt einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft.

Rücktritt nach nur einem Amtsjahr

Die 32-Jährige Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus trat nach nur einem Jahr zurück. Zuvor hatten der rechtspopulistische Blog «RedState», andere rechtsgerichtete Webseiten und die britische Boulevardzeitung «Daily Mail» Nacktbilder von ihr und einer anderen Frau veröffentlicht und behauptet, sie habe Beziehungen zu Mitarbeitenden in ihrem Kongressbüro gehabt. Dies wäre ein Verstoss gegen neue Verhaltensregeln, die das US-Parlament als Reaktion auf die MeToo-Bewegung erlassen hat. Ein Ethikausschuss des Parlamentes untersucht zurzeit die Vorwürfe.

Hass auf Frauen mit Macht

In ihrer letzten Rede vor dem Parlament sagte Hill, ein eifersüchtiger Mann habe zusammen mit einem grossen Teil der Gesellschaft, der machtvolle Frauen fürchte und hasse, eine junge Frau von der Macht weggemobbt und ihr klar gemacht, dass sie nicht an die Macht gehört. «Ich gehe wegen einer frauenfeindlichen Kultur, in der meine Nacktfotos mit Häme angeschaut werden und damit Profit gemacht wird und die es meinem misshandelnden Ex ermöglicht, mich weiter zu misshandeln – während das ganze Land zuschaut.» Schamlose politische Aktivisten hätten die Schmutzkampagne organisiert. «Ich gehe jetzt. Aber wir haben Männer, denen glaubwürdig vorsätzliche sexuelle Gewalt vorgeworfen wurde, und die in Führungsetagen von Unternehmen, am Obersten Gerichtshof, im Parlament und – am schlimmsten – im Präsidentenamt bleiben.»

«Je mehr wir uns zeigen, desto weniger Macht haben sie»

Hill sagte, der Rückstritt sei die schwierigste Entscheidung ihres Lebens gewesen. «Wir müssen zusammenstehen, damit in Zukunft so etwas Frauen und Mädchen nicht mehr passiert.» Sie rief andere Frauen auf, sich nicht wegen ihrer Geschichte davon abhalten zu lassen, Karriere zu machen. «Je mehr wir uns zeigen, desto weniger Macht haben sie.» Der Kampf gehe weiter für eine Welt, die frauenfreundlicher sei. «Wir werden nicht abtreten. Wir werden nicht gebrochen sein. Wir werden uns nicht zum Schweigen bringen lassen. Wir werden uns erheben. Und wir werden den morgigen Tag besser machen als den heutigen. Ich gebe dieses Mal auf, aber nicht für immer.»

Hämische Kommentare

Laut Hill wurden die Fotos ohne ihr Wissen und ihr Einverständnis gemacht und veröffentlicht. In den Foren gab es unzählige hämische Kommentare dazu. Als Grund für ihren Rücktritt aus dem Parlament nannte Hill die Drohung, dass weitere Nacktbilder veröffentlicht werden, wenn sie nicht abtritt. Sie wolle nicht länger von Zeitungen, Blogs und Webseiten auf diese Weise unter Druck gesetzt werden. Sie sei so massiv bedroht worden, dass sie um ihr Leben fürchten müsse. Zudem sei auch ihr Umfeld mit Hass überschüttet und massiv bedroht worden. Laut Hill hat ihr Noch-Ehemann, der Künstler Ken Heslep, die Fotos weitergegeben. Dieser bestreitet den Vorwurf.

Junge Frauen sind erpressbar

Ashley Fairbanks, Mitarbeiterin des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Julián Castro, schrieb im «Guardian», dass die Angst vor der Publikation von Nacktbildern junge Frauen tatsächlich vor einer Karriere in der Politik oder einem anderen Beruf abhalten könne. Sie selber sei mit 19 Jahren gegen ihren Willen nackt gefilmt und damit erpressbar worden. Sie habe deshalb nie für ein politisches Amt kandidiert. «Von fast jeder Frau, die ich kenne, gibt es Nacktaufnahmen.» Die heute 32-jährige Fairbanks plädiert dafür, dass Frauen öffentlich machen, wenn sie mit Nacktbildern erpresst werden. Und Betroffene sollen Täter strafrechtlich zur Verantwortung ziehen. «Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.»

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keine

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