Treffen in Teheran: Mehrheitlich Frauen repräsentieren Schweden (rechts), nur Männer den Iran. © Alalm/preident/RNA

Treffen in Teheran: Mehrheitlich Frauen repräsentieren Schweden (rechts), nur Männer den Iran.

Kontroverse um Politikerinnen mit Kopftuch

fs / 06. Mär 2017 - Westliche Politikerinnen, die sich der Kopftuchpflicht im Iran beugen, lösen kontroverse Reaktionen aus.

Eine Delegation der schwedischen Regierung war kürzlich auf Staatsbesuch im Iran. Die Frauen der mehrheitlich weiblichen Regierungsdelegation trugen alle Kopftuch, wie es im Iran auch für Ausländerinnen vorgeschrieben ist. Dies löste eine Kontroverse aus.

«Kopftuchzwang legitimiert»

Kritikerinnen warfen Handelsministerin Ann Linde und den anderen Frauen der Delegation vor, dem eigenen Anspruch, weltweit die erste feministische Regierung zu sein, nicht gerecht zu werden. Die iranische Journalistin Masih Alinejad, die heute im Exil in Grossbritannien lebt, beschuldigte die schwedischen Politikerinnen, den Kopftuch-Zwang im Iran zu legitimieren. «Das ist ein diskriminierendes Gesetz und keine interne Angelegenheit des Irans, wenn das Land auch alle Ausländerinnen zwingt, das Kopftuch zu tragen.» Die Schwedinnen hätten sich mit den Iranerinnen solidarisieren und dem Kopftuchzwang widersetzen müssen. Alinejad hat vor drei Jahren eine viel beachtete Facebook-Kampagne gegen den Kopftuch-Zwang initiiert.

Jan Björklund, Chef der oppositionellen liberalen Partei, sagte in der schwedischen Zeitung «Aftonbladet», die schwedische Regierung hätte verlangen müssen, dass die Frauen der Regierungsdelegation kein Kopftuch tragen müssen oder die Verträge in einem anderen Land unterzeichnet werden.

«Machtvolle Botschaft»

Handelsministerin Anne Linde sagte, sie habe als ausländische Politikerin das iranische Recht nicht brechen wollen. Alternative wäre gewesen, dass sie nicht in den Iran reist, schrieb Linde auf Facebook. «Die Delegation der Regierung bestand aus 15 Personen, darunter zwölf Frauen. Schwedens Botschafter im Iran ist eine Frau. Durch unsere Präsenz im Iran zeigen wir, dass Frauen in der Gesellschaft Führungspositionen haben können.» Das sei eine ganz wichtige Botschaft, sagte Frauenrechtsaktivistin Sussan Tahmasebi im «Guardian». Dadurch, dass die schwedische Delegation so viele weibliche Mitglieder hatte, habe Schweden eine machtvolle Botschaft an den Iran gesendet. Wenn die schwedischen Politikerinnen wegen des Kopftuchzwanges nicht in den Iran gereist wären, hätten sich zwei rein männliche Delegationen getroffen.

Frühere Kontroversen

Westliche Politikerinnen, die im Iran Kopftuch tragen, lösen damit immer wieder Kontroversen aus. Einige Beispiele: Aus der Schweiz Micheline Calmy-Rey (SP), aus Deutschland Claudia Roth (Grüne) und Dagmar Wöhrl (CSU) und aus Italien Emma Bonino (Radikale Partei). Die damalige italienische Aussenministerin war vor drei Jahren ohne Kopftuch in Teheran aus dem Flugzeug gestiegen. Die iranischen Behörden stellten sie vor die Wahl, entweder Kopftuch zu tragen oder wieder heimzureisen. Sichtlich widerwillig entschied sie sich für das Kopftuch.

Kein Kopftuchzwang für Ausländerinnen

Anders als im Iran ist in Saudiarabien das Kopftuch für Ausländerinnen nicht vorgeschrieben. Als die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kürzlich auf Staatsbesuch war, trug keine der Frauen ihrer Delegation ein Kopftuch. Auch die frühere First Lady Michelle Obama trug kein Kopftuch, als sie vor zwei Jahren in Saudiarabien an der Beerdigung von König Abdullah teilnahm.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Neben den Abonnements-Einnahmen machen dies Spenden möglich.

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)
DE35 7001 0080 0058 5958 07 (Euro)
BIC: PBNKDEFF

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.