Die Meinungen zum Kopftuch gehen diametral auseinander. © dapd

Die Meinungen zum Kopftuch gehen diametral auseinander.

Kopftuch spaltet Frauenbewegung

fs / 04. Jul 2017 - Kontroverse zum Kopftuch in einer deutschen Frauenorganisation: Vertreterinnen beider Positionen warnen vor Diskriminierung.

Die Frauenrechtsorganisation «Terre des Femmes» fordert ein gesetzliches Kopftuch-Verbot für Kinder im öffentlichen Raum, vor allem in Betreuungs- und Ausbildungsinstitutionen.

Kopftuch diskriminiert

Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle sagt, das Kopftuch signalisiere Kindern in der «hochsensiblen Entwicklungsphase» eine Art von Geschlechter-Apartheit und markiere Mädchen als Sexualwesen, als Verführerinnen, die ihre Reize vor den Männern zu verbergen haben. Dieses patriarchale Rollenbild des weiblichen Kindes diskriminiere nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch den Mann als angeblich triebgesteuert und unbeherrscht.

Verbot diskriminiert

Die jährliche Hauptversammlung der Frauenrechtsorganisation fasste den Beschluss für das Kopftuch-Verbot «mit grosser Mehrheit». In einem offenen Brief kritisierten kurz darauf aktuelle und frühere Mitarbeiterinnen und Mitglieder den Beschluss. «Ein solches Verbot schürt anti-muslimischen Rassismus und gesellschaftliche Ausgrenzung der betroffenen Mädchen. Es stigmatisiert die Eltern von Kopftuchträgerinnen pauschal als Täterinnen, ihre Familien als ’integrationsunwillig’ und die Mädchen selbst als unselbstständig und unterdrückt.»

Frauenrechte in Gefahr

Unterzeichnerinnen des offenen Briefes warnten in der «Tageszeitung» davor, die Kritik falsch zu verstehen. Der Verein mache gute Arbeit. Doch Menschen aufgrund der Religion zu diskriminieren sei nicht richtig. Der Islam dürfe nicht das neue Feindbild des Feminismus sein. Ein Kopftuch-Verbot gefährde Frauenrechte. «Wer rechtspopulistische Argumente aufgreift, lässt ausser Acht, dass Rechtspopulisten feministische Errungenschaften rückgängig machen wollen», meint Ruth Meding, Politologin und frühere Mitarbeiterin bei «Terre des Femmes».

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2 Meinungen

Ja die Sache ist eben nicht einfach zu lösen. Ein Kopftuchverbot spielt meiner Meinung nach auch den Hardlinern hüben wie drüben in die Hände. Es geht ja nicht um ein Kleidungsstück, sondern um häufig damit verbundenen Einschränkungen der betroffenen Mädchen an Bildung und Bewegungsfreiheit. Also in erster Linie ist es wichtig,dass Mädchen ein Recht auf Ausbildung und Ausübung eines Berufs haben. Mit oder ohne Kopftuch.
Annina Menn, am 01. August 2017 um 14:21 Uhr
Mir war bislang unklar, Frau Meding, dass das Kopftuch für Mädchen eine feministische Errungenschaft ist.
Brigitta Kröhnert, am 01. September 2017 um 13:50 Uhr

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