US-Soldatinnen müssen alle Posten in der Armee offen stehen. © cc

US-Soldatinnen müssen alle Posten in der Armee offen stehen.

USA öffnen alle Armee-Posten für Frauen

fs / 15. Dez 2015 - Das US-Verteidigungsministerium will Frauen nicht länger von bestimmten Posten in der Armee ausschliessen. Für die Gegner der Gleichstellung bleibt eine Hintertüre offen.

Nach jahrelangem Ringen hat US-Verteidigungsminister Ashton Carter die Gleichstellung der Frauen in der Armee bekannt gegeben. «Wir können uns nicht erlauben, auf 50 Prozent der Möglichkeiten und Talente des Landes zu verzichten», sagte Carter. Bisher waren Frauen insbesondere vom direkten Kampf ausgeschlossen.

Marines gegen Gleichstellung

Ashton Carter hatte vor seinem Entscheid die Einschätzung der Armeeeinheiten eingeholt, berichtet die «New York Times». Einzig die Marineinfanterie (Marines) kritisierte die Öffnung aller Posten für Frauen. Sie verlangte Ausnahmen, die Ashton Carter aber ablehnte. Der höchste Offizier des Landes, der zuvor die Marines kommandiert hatte, war deshalb an der Pressekonferenz abwesend. Er habe seinem Chef den bestmöglichen Rat gegeben, liess Joseph Dunford schriftlich verlauten. Nun gelte es, dessen Beschluss umzusetzen.

Kontroverse unter Militärs

Die Marines hatten vergeblich argumentiert, Infanteristen müssten schwer tragen. Diese Funktion solle deshalb weiterhin Männern vorbehalten bleiben. Aufgrund einer eigenen Studie behaupteten sie zudem, dass gemischte Einheiten langsamer und weniger effizient seien als reine Männer-Einheiten. Ein General ausser Dienst sagte, Frauen gefährdeten mit Eifersucht und Gerüchten die «Alchemie» einer schlagkräftigen Einheit. Ray Mabus, Minister für die Marine, sprach von Vorurteilen, die schon gegen die Aufhebung der Rassentrennung und den Ausschluss von Homosexuellen vorgebracht worden seien. Diese hätten sich alle als falsch erwiesen.

Für Gegner bleibt Hintertüre offen

Bis zum Jahresende müssen die Armeeeinheiten nun konkrete Pläne machen, wie sie die letzten zehn Prozent der Posten, die bisher den Männern vorbehalten waren, für Frauen öffnen wollen. Dabei geht es laut Ashton Carter um 220'000 Positionen bei den Marines und bei Spezialeinheiten. Für die Gegner bleibt eine Hintertüre offen: Gemäss der neuen Richtlinie können alle Armeeangehörigen Posten nur erhalten, wenn sie alle Voraussetzungen dafür erfüllen.

Berufliche Chance für Frauen

Frauenrechtsaktivistinnen begrüssten den Entscheid des Verteidigungsministers. Er eröffne Frauen neue berufliche Möglichkeiten, sagte Eleanor Smeal, Präsidentin der feministischen Stiftung «Feminist Majority Foundation». Bisher hätten Frauen zwar in Kampfeinheiten dienen, aber keine Karriere machen dürfen, weil sie nicht im direkten Kampf eingesetzt werden durften.

In der EU müssen aufgrund der EU-Gleichbehandlungs-Richtlinie alle Truppenteile für Frauen offenstehen. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) aus dem Jahr 2001 sind jedoch begrenzte Ausschlüsse von speziellen Teilen der Armee zulässig.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Eine solche Gleichberechtigung ist mir als Pazifistin zutiefst suspekt! Da lobe ich mir andere feministische Strömungen, welche eine andere Vision des Zusammenlebens auf dieser Welt vertreten: «NIcht die Hälfte des Kuchens wollen wir, sondern einen anderen!» meinte schon vor Jahrzehnten die Theologin und Pazifistin Dorothee Sölle. Einen gerechteren, friedlicheren und solidarischeren Kuchen, möchte ich da anfügen, wo nebst den Ungleichheiten zwischn den Geschlechtern auch jene zwischen Nord und Süd, Mensch und Natur etc. in den Blick genommen werden!
Esther Gisler Fischer, am 01. Januar 2016 um 12:05 Uhr

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