Ruth Colian will, dass ultraorthodoxe Frauen im Parlament vertreten sind. © IN

Ruth Colian will, dass ultraorthodoxe Frauen im Parlament vertreten sind.

Ultraorthodoxe Frauen wollen mitreden

bbm / 04. Feb 2015 - In Israel wollen ultraorthodoxe Jüdinnen für die Wahlen kandidieren. Sie erhalten deshalb massive Drohungen.

Mitte März finden in Israel Parlamentswahlen statt. Ultraorthodoxe Frauen wollen erstmals kandidieren. Bisher wurden sie von den ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Thora-Judentum nicht auf die Wahllisten aufgenommen. Die Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum gehört zu den wichtigsten Prinzipien der Fundamentalisten.

Drohung mit Wahlboykott

Nun fordert eine Gruppe ultraorthodoxer Frauen auf jeder Wahlliste mindestens eine Frau auf einem aussichtsreichen Platz. Ansonsten würden sie Frauen aufrufen, die Wahl zu boykottieren. Die Aktivistinnen hatten zuvor erfolglos verlangt, Parteien mit ausschliesslich männlichen Kandidaten von Wahlen auszuschliessen. Auf den Druck der Frauen hat die Schas-Partei mit der Gründung eines «Frauen-Beratungskomitees» reagiert.

Frauen gründen Partei

Das sei völlig ungenügend, sagt Ruth Colian. Die 33-Jährige wollte bei den Gemeindewahlen 2013 für die Schas-Partei kandidieren, durfte dies aber nicht. Sie verlangte darauf erfolglos, dass der Staat Parteien, die Frauen von den Wahllisten ausschliessen, die Förderung kürzt. Anfang dieses Jahres hat sie mit anderen Frauen eine eigene Partei gegründet. Jahrelang seien die Frauen an einer Kandidatur gehindert worden, weil sie Frauen sind, sagt Ruth Colian. «Wir werden keine Ruhe geben, bis ultraorthodoxe Frauen im Parlament vertreten sind.»

Massive Drohungen

Die ultraorthodoxen Männer reagierten in Interviews und Diskussionssendungen auf die Forderungen der Frauen äusserst gereizt, berichtet die «Huffington Post». Und die Aktivistinnen hätten teilweise massive Drohungen erhalten. Ruth Colian: «Ich weiss, dass wir einen Preis für unser Engagement zahlen müssen. Aber ultraorthodoxe Frauen müssen eine Stimme im Parlament erhalten.» Für eine andere Partei wolle sie nicht kandidieren, weil sie ihre Identität nicht verleugnen wolle.

Als erste ultraorthodoxe Frau schaffte Tzvia Greenfeld 2008 die Wahl in die Knesset. Sie kandidierte für die sozialdemokratische Meretz Partei.

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