Kinder trauen sich Berufe eher zu, wenn diese auch in weiblicher Form genannt werden. © JHM

Kinder trauen sich Berufe eher zu, wenn diese auch in weiblicher Form genannt werden.

Sprache beeinflusst Berufsbilder

fs / 16. Jul 2015 - Die Sprache beeinflusst, wie Kinder Berufe wahrnehmen. Sie trauen sich Berufe eher zu, wenn diese auch in weiblicher Form genannt werden.

Kinder trauen sich Berufe eher zu, wenn in geschlechtergerechter Sprache von ihnen gesprochen wird. Allerdings haben solche Berufe in ihren Augen geringeren Status. Dies geht aus einer Studie des Fachbereichs Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin hervor, berichtet der «Standard».

Kinder im Grundschulalter

Das Forschungsteam hat 591 Grundschülerinnen und Grundschülern aus deutschen und belgischen Schulklassen im Alter von sechs bis zwölf Jahren 16 Berufsbezeichnungen vorgelesen. Acht dieser Berufe haben einen Frauenanteil von weniger als 30 Prozent und gelten deshalb als typisch männlich (zum Beispiel Automechaniker). Fünf der Berufe waren typisch weiblich mit einem Frauenanteil von über 70 Prozent (zum Beispiel Kosmetikerin). Hinzu kamen drei Berufe mit ausgewogenem Geschlechteranteil. Die Kinder mussten für jeden dieser Berufe einschätzen, wie viel man verdient, wie wichtig dieser Beruf ist, wie schwierig es ist, ihn zu erlernen und auszuüben. Und sie mussten beantworten, ob sie sich selbst zutrauen würden, diesen Beruf zu ergreifen.

Höherer Status für Männerberufe

Das Ergebnis: Kinder, denen die Berufe geschlechtergerecht genannt worden waren («Ingenieurinnen und Ingenieure»), trauten sich eher zu, einen typisch männlichen Beruf zu ergreifen. Kinder, denen nur die männliche Sprachform dieser Berufe genannt worden war, schätzten diese als schwierig erlernbar ein. Die Forschungsteam geht davon aus, dass Kinder bereits im Grundschulalter verinnerlicht haben, männlich besetzte Aufgaben mit höherer Schwierigkeit zu assoziieren. Diese Berufe verbinden die befragten Kinder auch mit einem höheren Einkommen. Die Befunde der Studie gelten in gleichem Mass für Mädchen und Jungen, sagte Co-Studienleiterin Bettina Hannover im «Standard».

Sprache beeinflusst Rollenklischees

Das Forschungsteam zieht aus der Studie den Schluss, dass die Sprache die Wirkung von Rollenklischees im beruflichen Bereich abbauen kann. Eine geschlechtergerechte Sprache könne einen Beitrag dazu leisten, mehr junge Leute für eine Karriere in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen zu motivieren. Bedenklich sei, dass geschlechtergerechte Bezeichnungen die Berufe bezüglich Wichtigkeit und Lohn negativ beeinflussen.

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