Anna Lindenfors sagt, Amnesty Schweden werde die Legalisierung der Prostitution nicht empfehlen. © AI

Anna Lindenfors sagt, Amnesty Schweden werde die Legalisierung der Prostitution nicht empfehlen.

Amnesty: Exodus nach Votum zur Prostitution

bbm / 17. Aug 2015 - Amnesty International empfiehlt die Legalisierung der Prostitution. Hunderte haben die Menschenrechtsorganisation deshalb jetzt verlassen.

Das höchste Entscheidungsgremium von Amnesty International hat beschlossen, die Legalisierung der freiwilligen Prostitution, der Zuhälterei und von Bordellen zu empfehlen. Mit dem Beschluss des «Internationalen Rates» ist eine lange Kontroverse innerhalb der Menschenrechtsorganisation zu Ende gegangen. Generalsekretär Salil Shetty sagte, Amnesty könne sich nun weltweit besser für den Schutz der Menschenrechte von Prostituierten einsetzen. Das Ziel sei weniger Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch.

Kritik

Vor der Abstimmung hatte das Bündnis «Koalition gegen Frauenhandel» in einem offenen Brief vor der Legalisierung der Prostitution gewarnt. Diese öffne alle Schleusen, um Frauen auszubeuten. Sarah Bansom unterstützt in Dublin Frauen, die als Prostituierte missbraucht wurden: «Wir sind tief enttäuscht, dass Amnesty nicht auf den Rat zahlreicher Gruppen aus der ganzen Welt gehört hat – insbesondere nicht auf die vielen Frauenorganisationen und auf jene Prostituierten, die Missbrauch überlebt haben.»

Hunderte ausgetreten

Aus Protest haben in Schweden hunderte Mitglieder die Menschenrechtsorganisation verlassen, berichtet das englischsprachige schwedische Internetmagazin «The Local». Anna Lindenfors, Generalsekretärin von Amnesty Schweden, hielt in einer Erklärung fest, dass die Entkriminalisierung die Menschenrechtsverletzungen in der Prostitution nicht reduzieren werde. Amnesty Schweden werde deshalb die Legalisierung der Prostitution nicht empfehlen. Schweden hat 1999 weltweit als erstes Land den Kauf sexueller Dienstleistungen verboten. Bestraft werden nur die Freier.

Menschenhandel hinter «legalem Schein»

Einig sind sich Kritikerinnen und Amnesty, dass Sexarbeitende selber nicht strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Hingegen ist umstritten, ob es eine freiwillige Prostitution gibt und ob diese von Zwangsprostitution unterschieden werden kann. In Deutschland ist Prostitution bereits legal. Welche Folgen dies für Zwangsprostituierte hat, zeigte eine Reportage des ZDF-Auslandsjournals. Danach trauen sich die wenigsten Opfer von Menschenhandel, der Polizei in Deutschland zu sagen, dass sie zur Sexarbeit gezwungen werden. Der Polizei sind damit bei Kontrollen die Hände gebunden. Ein Rekrutierungsgebiet für Frauenhändler ist Rumänien, eines der ärmsten Länder in Europa. Adrian Petrescu von der Rumänischen Sondereinheit für Menschenhandel sagt: «Solange Prostitution in Deutschland und anderen Ländern legal ist, können wir wenig ausrichten. Wir wollen die deutsche Polizei ja nicht beschuldigen, aber es braucht einfach viel Zeit um den Menschenhandel aufzudecken, der sich hinter dem legalen Schein verbirgt.»

«Viele wollen nicht hinschauen»

Die Psychologin Iana Matei leitet in Rumänien ein Schutzhaus für traumatisierte Minderjährige, die Frauenhändlern entfliehen konnten. Sie sagt, die Mädchen stammten meist aus zerrütteten Familien. Ein junger Mann verspreche ihnen einen Job im Ausland. Noch in Rumänien würden sie vergewaltigt, erniedrigt und eingeschüchtert. Matei: «Einmal zum Sex gezwungen, ordnen sie sich meist ein Leben lang der Sexindustrie unter.» Viele Länder wollten nicht hinschauen. «Wenn man das Problem nicht sehen will, ist es auch nicht da.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Zur Reportage «Frauenhandel: Brennpunkt Rumänien» des ZDF-Auslandsjournals

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5 Meinungen

Was für ein Fehltritt! Allein die Erfahrungen aus Deutschland hätten schon mehr als genügen müssen, solch eine Entscheidung NICHT zu treffen! Deutschland ist seit der Legalisierung zur europäischen Drehscheibe des Menschenhandels zum Zwecke der Prostitution und zum Ziel von Sextourismus aus den Ländern geworden, in denen die Freier bestraft werden. Ein völlig falsches Signal von AI !!!
Heike Bach, am 17. August 2015 um 13:54 Uhr
Der Grund für Prostitution ist Frauenarmut. Die muß beseitigt werden. Prostitution kann nicht legalisiert werden, es sei denn die Menschenrechte gelten nicht für Frauen.
Waltraud Pomper, am 17. August 2015 um 17:17 Uhr
Ich denke, es liegt ein grundsätzliches Missverständnis vor. Amnesty geht es m.E. nicht so sehr um Legalisierung der Prostitution an sich, sondern darum, Prostituierte nicht noch mehr zu präkarisieren, indem Sexarbeit - über die Bestrafung von Prostituierten oder Freiern - unter Strafe gestellt wird. Amnesty hat das klar ausgeführt.
Rosemarie Weibel, am 01. September 2015 um 11:19 Uhr
Schon der Ausdruck «Sexarbeit» ist verharmlosend. Es handelt sich um Frauenkauf und das ist Sklaverei. Nicht umsonst bezeichnen amerikanische Feministinnen seit nun fast 2 Jahrhunderten Prostitution als «white slavery".
Waltraud Pomper, am 01. September 2015 um 16:40 Uhr
Ich kann mich nur wiederholen, das Gesetz zur Legalisierung der Prostitution ist in der Hoffnung verabschiedet worden, die Lage der Frauen zu verbessern, zu entkriminalisieren. Also gut gemeint, aber nach hinten losgegangen. AI wird es genauso gehen, da nützt alles Reden und Erklären nichts, um was es AI «geht", das, was praktisch raus- und ankommt, zählt allein.
Heike Bach, am 02. September 2015 um 09:54 Uhr

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