Eingefrorene Eizellen: Junge Frauen werden für Eizellen-Spenden bezahlt. © ZDF

Eingefrorene Eizellen: Junge Frauen werden für Eizellen-Spenden bezahlt.

Eizellen-Raub wirft Licht auf Schwarzmarkt

bbm / 02. Jun 2016 - Junge Frauen werden trotz Verbotes für Eizellen-Spenden bezahlt. Das geht aus mehreren Anzeigen hervor.

Eizellen sind der rare Rohstoff für Fruchtbarkeitskliniken und die Forschung. Wer Eizellen spendet, setzt sich erheblichen gesundheitlichen Risiken aus. Freiwillige Spenden sind deshalb sehr selten. Ein spektakulärer Fall wirft Licht auf einen Schwarzmarkt.

Eizellen-Raub

In Italien hat eine Krankenschwester den Gynäkologen Severino Antinori angezeigt. Er habe bei ihr eine Eierstock-Zyste «diagnostiziert» und sie gegen ihren Willen gewaltsam zur Operation gezwungen. Sein einziges Ziel sei es gewesen, ihr ohne ihre Einwilligung Eizellen entnehmen zu können. Diese habe er für die Fruchtbarkeitsbehandlung einer anderen Patientin gebraucht. Gegen den 70-Jährigen, der zwei private Fruchtbarkeitskliniken in Mailand und Rom besitzt, ermittelt nun ein Untersuchungsrichter wegen schweren Raubes und Körperverletzung. Er weist die Vorwürfe zurück.

Anwerbesystem für Spenderinnen

In Italien ist die Eizellen-Spende zwar legal, eine Bezahlung aber gesetzlich verboten. Doch Antinori konnte bisher offenbar ungehindert gegen dieses Verbot verstossen, wie eine 22 Jahre alte Brasilianerin der Zeitung «La Repubblica» erzählte: «Es gab 1000 Euro für jede Entnahme und weitere 500, wenn ich eine Freundin als neue Spenderin gewinnen konnte. Ich brauchte Geld, er brauchte Eizellen.» In den letzten Monaten haben sich laut den Mailänder Ermittlern mehrere junge Frauen gemeldet, die über dieses Anwerbesystem in der Klinik von Antinori berichteten. Zur Polizei gingen die Frauen, weil die Klinik nicht wie vereinbart zahlte. Die Abgeordnete Donata Lenzi von der regierenden Demokratischen Partei sprach von einem «Markt für Eizellen».

Zu Eizellen-Spende genötigt

Antinori ist in der Branche kein Unbekannter. Vor über 20 Jahren sorgte er weltweit für Aufsehen, als eine 63-jährige Patientin von ihm ein Kind zur Welt brachte. Zehn Jahre später verkündete Antinori die Geburt von drei geklonten Babys. Den Beweis blieb er allerdings bis heute schuldig. Für seine Experimente brauchte Antinori viele Eizellen. Sein Fall erinnert an jenen des südkoreanischen Klonforschers Hwang Woo Suk. Dieser hatte Mitarbeiterinnen genötigt und bezahlt, damit sie Eizellen für seine Klonexperimente spenden. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Schadenersatzforderungen von Spenderinnen wurden abgewiesen.

Schwarzmarkt

In der EU verbietet die Gewebe-Richtlinie bezahlte Eizellen-Spenden. Erlaubt ist eine «Aufwandsentschädigung». Das Anwerbesystem von Antinori zeigt, dass es einen Schwarzmarkt gibt, auf den nur ab und zu ein Licht fällt. So sorgte in Europa vor einigen Jahren der Fall von jungen Frauen aus Rumänien für Aufsehen, die gegen Bezahlung illegal Eizellen spendeten. Die Frauen wurden mit Geld geködert und blieben bei Komplikationen auf sich allein gestellt.

Trend zur Legalisierung

In der Schweiz und in Deutschland ist die Eizellen-Spende grundsätzlich verboten. Doch die Verbote wanken: In beiden Ländern gibt es eine sehr aktive Lobby für die Legalisierung der Eizellen-Spende. Eine Bezahlung soll wie in Italien verboten werden.

In Österreich ist die Eizellen-Spende seit Anfang letzten Jahres unter bestimmten Bedingungen erlaubt. So ist es verboten, Spenderinnen zu vermitteln. Und Spenderinnen dürfen nur die Barauslagen gegen Beleg ersetzt werden.

In den USA sind Eizellen-Spenden legal, auch gegen Bezahlung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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